Terrorverdacht gegen „Friedensbrücke“
Verein schickte 20.000 Geschenke an russische Soldaten
05.09.2026 – 16:08 UhrLesedauer: 6 Min.

Vermeintliche „humanitäre Helfer“ werden als mutmaßliche Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland gesucht oder sitzen in Haft: Jetzt wird klarer, was der Generalbundesanwalt gegen einen pro-russischen Verein in der Hand hat.
Zwei mutmaßliche deutsche Terrorunterstützer sind in Moskau für die deutsche Justiz unerreichbar, ein Deutscher und ein Russe in Deutschland sitzen in Haft – und das auch weiterhin: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Falko H. und Suren A. vom Wandlitzer Verein „Friedensbrücke – Kriegsopferhilfe“ weiterhin in Untersuchungshaft bleiben müssen.
Zu groß sind für das Gericht die Befürchtungen, dass auch sie sich absetzen könnten – und zu gravierend die Verdachtsmomente. t-online liegt der Beschluss vor, der neue Einblicke gibt in die Zusammenarbeit glühender Russlandanhänger aus Deutschland mit pro-russischen Separatisten und Milizen im ukrainischen Donbass.
Es geht um eine Gruppe, die 2015 nach einer Moskaureise einen Verein in Wandlitz gründete, um Hilfstransporte für Menschen in den Donbass zu organisieren. Nach der Entmachtung des pro-russischen Präsidenten hatten dort Separatisten, unterstützt von Russland, Krieg gegen die reguläre ukrainische Armee geführt, Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht und „Volksrepubliken“ in Donezk und Luhansk ausgerufen. Das Gericht stuft sie für den Tatzeitraum als terroristische Vereinigungen im Sinne des Strafgesetzbuchs ein.
Die beschuldigten Mitglieder der „Friedensbrücke“ sollen der Führung und dem Militär der Republiken geholfen haben. Der Beschluss stellt dabei nicht infrage, dass der Verein auch in der Zivilbevölkerung geholfen hat – Fotos davon hatte die „Friedensbrücke“ selbst vielfach verbreitet und so auch um Spenden geworben.
Drohnen und Generatoren für die Milizen
Der Beschluss führt aber einiges auf, was außerdem durch den Verein im ukrainischen Kriegsgebiet gelandet sein soll: Unter anderem habe der Verein im Dezember einen Transport mit 20.000 Geschenken für Soldaten der russischen Seite zum Weihnachtsfest losgeschickt. Teil anderer Lieferungen waren demnach Drohnen und Elektrogeneratoren für Milizen, aber auch Kartoffeln oder Zigaretten für die Soldaten.
Im Fokus der Ermittlungen stehen vier Personen: Da ist zum einen Liane Kilinc, Vorsitzende des Vereins, und die erste Frau, die unter Wladimir Putin tatsächlich „politisches Asyl“ beantragte und es per Dekret des Präsidenten erhielt. Kilinc ist Trägerin des Stalin-Ordens der Kommunistischen Partei Russlands und lebt seit 2022 in Moskau. Reporterfragen möchte sie auch nur dort persönlich beantworten.
In Moskau lebt auch Mitgründer Klaus Koch. Der ehemalige DDR-Oberstleutnant war Abteilungsleiter und Nachrichtenspezialist im Ministerium für Nationale Verteidigung und ist Präsidiumsmitglied des „Deutschen Friedensrats“, einer Organisation, die aus der vom SED-Staat kontrollierten DDR-Friedensbewegung hervorgegangen ist. Zudem leitet er die „deutsche Abteilung des Internationalen antifaschistischen Informationszentrums“ in Moskau. Beide sind tief vernetzt in Organisationen, die die DDR glorifizieren.
