Verdacht der Sabotage
Traditionsunternehmen in Stotzheim vor dem Aus
02.10.2025 – 17:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Hohe Kosten und ein Cyberangriff belasten einen Serviettenhersteller aus Nordrhein-Westfalen. Intern kursieren Gerüchte, dass es noch weitere Gründe für die Notlage geben könnte.
Dem Traditionsunternehmen Fasana in Euskirchen-Stotzheim droht in Kürze die Insolvenz. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen könnte die Produktion noch in dieser Woche eingestellt werden, rund 250 Beschäftigte wären davon betroffen. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Fasana stellt seit 1919 Servietten und andere Papierprodukte her.
Die Geschäftsführung macht unter anderem die Eigentümerin des Betriebsgeländes, die Immobiliengesellschaft CTP, für die angespannte Lage mitverantwortlich. CTP erhebt laut Geschäftsführer Karsten Beisert jährlich rund 1,5 Millionen Euro Miete für die Hallen, die Fasana nutzt – hinzu kämen Kosten für Reparaturen und Instandhaltung.
Ein Verkauf der Immobilie an mögliche Investoren sei bislang am Preis gescheitert. Beisert zufolge liegt die Bewertung eines von Fasana beauftragten Gutachters bei etwa zehn Millionen Euro. CTP verlange hingegen 27,5 Millionen Euro – eine Summe, die potenzielle Käufer abschrecke. Ein internationaler Investor sei nach Angaben der Unternehmensführung bereit, mehr als 50 Millionen Euro in den Standort zu investieren, ihn zu modernisieren und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.
Im Unternehmen wird unterdessen nicht mehr ausgeschlossen, dass jemand von außen gezielt das Unternehmen in die Insolvenz treiben will. Diese Einschätzung stützt sich unter anderem auf zwei schwere Cyberangriffe. Der Erste, am 21. Mai, hatte die Produktion für Tage lahmgelegt. Nach Aussagen eines Mitarbeiters war damals „nichts mehr möglich“ – Rechner, Laptops und Maschinensteuerungen seien vollständig ausgefallen. Der Schaden führte laut Geschäftsleitung zu erheblichen Umsatzeinbußen und zur Zahlungsunfähigkeit, woraufhin am 2. Juni ein Insolvenzantrag gestellt wurde.
Vor wenigen Wochen kam es zu einem weiteren Angriff. Nach internen Angaben erfolgte dieser über einen Zugang eines bereits drei Wochen zuvor verstorbenen Mitarbeiters. Der Vorfall habe innerhalb der Belegschaft den Verdacht genährt, dass es sich nicht um Zufall handele, berichtet die Kölner Regionalzeitung. Vielmehr stehe der Verdacht im Raum, dass dem Unternehmen bewusst geschadet werden sollte – möglicherweise mit dem Ziel, das Areal für andere Zwecke freizumachen.
Tatsächlich gibt es nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ Überlegungen bei CTP, im Fall des Scheiterns eines Verkaufs auf dem Gelände ein Logistikzentrum zu errichten. Die Stadt Euskirchen sieht das offenbar kritisch. Am Mittwoch sei es zu einem Spitzengespräch zwischen Stadt, Unternehmen, CTP und weiteren Beteiligten gekommen. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt.
CTP erklärte auf Anfrage der Zeitung, man befinde sich „in Gesprächen mit dem Unternehmen sowie weiteren Beteiligten, um mögliche Lösungen zu erarbeiten“. Über finanzielle Details äußere man sich grundsätzlich nicht. Eine Stellungnahme des Insolvenzverwalters stand zunächst noch aus.
Der Betriebsrat kündigte an, sich im Falle einer Abwicklung für die bestmöglichen Bedingungen für die Belegschaft einzusetzen. Für viele der Beschäftigten sei Fasana nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern Teil der eigenen Lebensgeschichte.
