Regierung in Bayern
Streitlustig und streitbar – Freie-Wähler-Chef Aiwanger tot
Aktualisiert am 04.11.2026 – 23:25 UhrLesedauer: 4 Min.
Jahrelang wurde Hubert Aiwanger von seinen Konkurrenten belächelt – mal wegen seines Dialektes, mal wegen seiner Forderungen. Am Ende lachte aber nicht selten der Niederbayer. Nun ist er tot.
Er war das Gesicht, die Stimme und der starke Mann der Freien Wähler. Er war streitlustig, aber auch streitbar und umstritten. Er war ein Vollblutpolitiker und erlangte – auch mit seinem besonderen niederbayerischen Dialekt – auch bundesweit Bekanntheit. Nun ist Hubert Aiwanger, Bundes- und Landesvorsitzender seiner Partei, völlig überraschend im Alter von 55 Jahren gestorben.
Der zweifache Vater wurde am Mittwoch tot in einem Berliner Hotelzimmer entdeckt – das bestätigte die Berliner Staatsanwaltschaft. Es sei ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden, um „die konkrete Todesursache und den Hergang des Todes herauszufinden sowie ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen“, hieß es in einer Mitteilung.
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder schrieb auf der Plattform X: „Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie. Wir sind alle zutiefst geschockt. Unsere Gedanken sind nun zuerst bei seiner Familie und seinen Kindern. Wir trauern mit ihnen und beten für sie.“ Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) schrieb auf Instagram: „Sein völlig unerwarteter Tod ist ein schwerer Verlust für den Bayerischen Landtag und für die gesamte Politik in Bayern.“ Auch die Opposition reagierte geschockt.
Am Nachmittag hätte Aiwanger nach dpa-Informationen bei der Eröffnung eines Hauptstadtbüros der Freien Wähler eine Rede halten sollen. Er habe sich aber aus gesundheitlichen Gründen abgemeldet und vertreten lassen. Später sei er nicht mehr erreichbar gewesen und sei dann leblos gefunden worden. Der Niederbayer aus Rottenburg an der Laaber hatte zwei Kinder und lebte mit der Regensburger Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen.
Seit 2008 im Landtag, seit 2018 Minister
2008 war Aiwanger mit seinen Freien Wählern erstmals in den bayerischen Landtag eingezogen und wurde deren Fraktionschef. Zehn Jahre später, 2018, schmiedeten CSU und Freie Wähler eine Koalition. Aiwanger wurde Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident.
Eine Zäsur war der Spätsommer 2023. Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Bayern hatte ihn ein antisemitisches Flugblatt aus lang vergangenen Tagen eingeholt, das in seiner Schulzeit bei ihm gefunden worden war. Die Regierungskoalition mit der CSU stand am Rand des Scheiterns, Aiwanger drohte der Rausschmiss – und doch feierte er bei der Wahl wenige Wochen später ein neues Rekordergebnis von 15,8 Prozent für die Freien Wähler.

Begnadeter Festzelt-Redner mit besonderem Dialekt
Mit Aiwanger verliert Bayern eine Persönlichkeit, die auch in der an besonderen Charakteren alles andere als armen bayerischen Landespolitik immer besonders hervorstach. Nicht nur wegen seines ganz besonderen Dialektes, der etwa aus einem normalen Glas Apfelsaft einen „Opflsoft“ machte. Auch seine Fähigkeit, politische Reden auf Parteitagen, in Bierzelten oder im Landtag ohne jedes Manuskript – dafür aber mit der ein oder anderen Redundanz – zu halten, machte ihn besonders. Was aber auch seine politischen Widersacher besonders honorierten, war etwas anders: Aiwangers besonderes Gespür für die Themen der „kleinen Leute“.














