Banken unerwünscht?
Bizarrer Streit über die Frühstart-Rente
29.09.2025 – 13:12 UhrLesedauer: 3 Min.
Ab 2026 sollen Kinder monatlich zehn Euro vom Staat fürs Sparen bekommen. Doch hinter den Kulissen bahnt sich ein Streit über das Modell an.
Onlinebroker wie Scalable Capital, Trade Republic und Smartbroker stehen in den Startlöchern: Sie bieten Familien bereits sogenannte Kinderdepots an, über die Eltern im Namen ihrer Kinder frühzeitig Vermögen am Kapitalmarkt aufbauen können.
Auch Sparkassen, Volksbanken und überregionale Banken bereiten laut Medienberichten und Branchenbeobachtern spezielle Produktangebote für die im Koalitionsvertrag vereinbarte Frühstart-Rente vor. Ab 2026 sollen Kinder ab sechs Jahren vom Staat monatlich zehn Euro für ihre Altersvorsorge erhalten.
Doch genau dieses staatliche Fördermodell steht nun auf der Kippe: Wie die Wirtschaftszeitschrift „Capital“ berichtet, wird in einem Vorschlag des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) nicht nur über die Finanzierung gestritten. Statt dass das Geld in private Depots fließt, könnte es künftig staatlich verwaltet werden – ein Plan, der bei Neobrokern und beim Koalitionspartner gleichermaßen auf Widerstand stößt.
Eigentlich sah der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vor, dass die monatlichen zehn Euro für jedes Kind ab 6 Jahren in private Kinderdepots eingezahlt werden – ein klarer Schub für Neobroker und Banken. Doch inzwischen denkt das SPD-geführte Finanzministerium über einen anderen Weg nach: Statt individueller Depots könnte das Geld in den staatlichen Kenfo-Fonds fließen und zentral verwaltet werden. Die Kinder erhielten ihre Auszahlung erst mit 18 Jahren.
Befürworter dieser Lösung verweisen auf eine unbürokratische Abwicklung. Auf Nachfrage von „Capital“ sagte der SPD-Finanzpolitiker Michael Thews, es sei wichtig, dass alle Kinder einer Altersgruppe beteiligt würden. „In diesem Sinne könnte ein öffentlich verwalteter Fonds als Auffanglösung sinnvoll sein.“
Kritiker warnen jedoch, dass so wichtige Chancen für Finanzbildung verloren gingen. Eltern und Angehörige könnten zudem keine zusätzlichen Beträge einzahlen, was den langfristigen Vermögensaufbau einschränke. Private Anbieter wie Scalable Capital und Smartbroker beklagen eine „Kollektivierung“ und „falsch gesetzte Prioritäten“. Um Vermögen dauerhaft vor staatlichem Einfluss zu schützen, sei es „essenziell“, an der vereinbarten privatwirtschaftlichen Lösung festzuhalten, teilte Scalable Capital auf Anfrage mit.
Auch die Finanzierung löst Diskussionen aus: Laut dem Medienbericht ist geplant, zunächst nur den Jahrgang 2020 zu berücksichtigen – rund 700.000 Kinder, die 2026 sechs Jahre alt werden. Für diesen Start sind im Haushalt lediglich 100 Millionen Euro eingeplant. Ob und wann ältere Kinder einbezogen werden, ist völlig offen.
Thomas Soltau, Chef des Neobrokers Smartbroker, spricht von „Fremdschämen“. Ohne individuelle Zuzahlungsmöglichkeiten bleibe das Vermögenswachstum auf der Strecke. Und dass nur ein Jahrgang gefördert werde, sei angesichts eines neuen Haushalts von 140 Milliarden Euro zusätzlicher Schulden ein politisches Armutszeugnis.














