Wegen Bestechlichkeit
Ermittlungen gegen Krach überschatten Berliner Wahlkampf
Aktualisiert am 10.09.2026 – 06:25 UhrLesedauer: 2 Min.
Gegen SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wird ermittelt. Der 47-Jährige weist die Vorwürfe zurück und setzt seinen Wahlkampf fort.
Nach Bekanntwerden von Ermittlungen gegen SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach geht heute der Wahlkampf in Berlin weiter. Eineinhalb Wochen vor der Wahl des Abgeordnetenhauses will Krach an einer Veranstaltung mit SPD-Chef Lars Klingbeil teilnehmen. Außerdem ist eine Diskussion der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer und anderen Berliner Spitzenkandidaten geplant.
Am Mittwoch waren mehrere Objekte in Hannover und Berlin durchsucht worden. Die Ermittlungen stehen in Zusammenhang mit Krachs bisheriger Tätigkeit als Regionspräsident in Hannover. Die Staatsanwaltschaft in Hannover bestätigte die Ermittlungen, äußerte sich aber nicht konkret zu den Vorwürfen. Sie verwies auf die geltende Unschuldsvermutung.
Krach weist Vorwürfe zurück
„Ich gehe davon aus, dass es Korruption ist“, sagte Krach am Abend. Genaueres habe ihm die Staatsanwaltschaft aber nicht mitgeteilt. Die Vorwürfe stehen laut Krach im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Standorts des Klinikums der Region Hannover. Krach war als Regionspräsident in Hannover Aufsichtsratsvorsitzender dieses Klinikums. „Ich habe vorgeschlagen, dass wir dort ein regionales Gesundheitszentrum etablieren, das haben wir dann auch gemacht“, sagte der 47-Jährige.
„Es scheint jetzt im Raum zu stehen, dass ich mich in irgendeiner Form habe beeinflussen lassen. Diese Unterstellung möchte ich definitiv als haltlos zurückweisen“, betonte Krach. „Ich habe in keinster Weise irgendeine Summe von diesem Bieter, weder privat, noch als SPD-Landesvorsitzender, jemals angenommen.“ Es habe eine Spende des später unterlegenen Bieters nach seiner Erinnerung in Höhe von 9.500 Euro gegeben, die innerhalb von 24 Stunden zurücküberwiesen worden sei.
Am Mittwochabend informierte Krach den Parteivorstand und die Fraktion. „Ich werde in den nächsten elf Tagen weiter Wahlkampf machen hier in Berlin“, kündigte er im RBB an.
Im Sommer 2025 war Krach aus Hannover nach Berlin gewechselt, um Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September zu werden. Von seiner bisherigen Tätigkeit als Regionspräsident ließ er sich beurlauben.
Ermittlungen belasten SPD-Wahlkampf
Für die Berliner SPD sind die Ermittlungen in der heißen Wahlkampfphase ein schwerer Schlag. Allerdings überwiegt nach anfänglicher Euphorie mit dem neuen Spitzenmann schon länger Ernüchterung. Denn die SPD steuert bei der Wahl am 20. September auf ihr historisch schlechtestes Ergebnis zu.
Die Partei lag in jüngsten Umfragen zuletzt bei Werten zwischen 11 und 15 Prozent – damit liegen die Sozialdemokraten in fast allen Erhebungen hinter CDU, Linken, Grünen und AfD auf Platz fünf. Dennoch bieten sich Regierungsoptionen in möglichen Dreierbündnissen mit CDU und Grünen oder mit Linken und Grünen.
Am Abend werden neue Umfragedaten für die Berlin-Wahl von Infratest dimap erwartet. Die Daten wurden allerdings vor Bekanntwerden der Ermittlungen erhoben. In der kommenden Woche gibt es kurz vor der Wahl Umfrageergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen.















