Juli 15, 2026 9:21 p.m. CEST

Ermittlungen gegen Kabarettisten

„Grauenhaft“: Stauffenberg-Enkel empört über Steimle

Von t-online, afp, dpa, jse

Aktualisiert am 15.07.2026 – 19:57 UhrLesedauer: 2 Min.

Uwe Steimle: Aus der Union kommt scharfe Kritik am Auftritt des Kabarettisten mit der AfD. (Quelle: IMAGO/Andy Bünning)

Ein Auftritt mit der AfD hat für Uwe Steimle juristische Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Androhung von Straftaten vor.

Nach seinen verunglimpfenden Aussagen über die CDU-Politiker Friedrich Merz und Angela Merkel hat die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau Ermittlungen gegen den Kabarettisten Uwe Steimle eingeleitet. Man habe ein Verfahren nach Paragraf 126 des Strafgesetzbuchs eingeleitet, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft und bestätigte damit Informationen des Magazins „Der Spiegel“. Dabei geht es um die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

Steimle hatte sich in einer AfD-Veranstaltung am Dienstagabend in Dessau-Roßlau abfällig über Kanzler Merz und Altkanzlerin Merkel geäußert. Über das neue Porträtbild von Merkel sagte Steimle, die frühere Kanzlerin habe sich für eine Darstellung im Stehen entschieden, „weil sie ahnt, sie wird bald sitzen“. Er schob hinterher: „Im Moment hängt sie erst mal.“ Und wenn der Nagel breche, „dann stellen wir sie an die Wand. Also uns wird schon was einfallen.“

Steimle empört mit Gewaltaufruf gegen Merz

Steimle legte nach: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal, wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht.“ Claus Schenk Graf von Stauffenberg war ein deutscher Wehrmacht-Oberst und zentraler Kopf des militärischen Widerstands gegen Adolf Hitler. Er ist vor allem bekannt für das gescheiterte Bombenattentat auf Hitler am 20. Juli 1944.

AfD-Chef Tino Chrupalla, Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Steimle hatten bei der Podiumsdiskussion über das Thema Frieden debattiert. An dem Abend war auf Initiative Steimles auch die DDR-Nationalhymne gesungen worden, bevor die Veranstaltung mit der Nationalhymne der Bundesrepublik beendet wurde.

Stauffenberg-Enkel reagiert entsetzt

Karl Graf von Stauffenberg, Enkel von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, reagierte entsetzt auf die Aussagen Steimles. „Ich bin sprachlos“, sagte er der „Bild“. Steimle betreibe „Geschichtsklitterung“: „Mein Großvater hat versucht, Recht, Ordnung und Freiheit wiederherzustellen. Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen – es ist ganz grauenhaft.“ Merz mit Hitler gleichzusetzen, sei „ganz schlimm“.

Die AfD-Politiker Siegmund und Chrupalla, die mit Steimle die Bühne teilten und nicht widersprachen, hätten sich in seinen Augen für Regierungsämter disqualifiziert, so Stauffenberg: „Man darf auch nicht zulassen, dass sie es jemals werden. Es fehlt einfach die geistige Reife.“

Scharfe Kritik aus der Union

Scharfe Kritik an dem Auftritt in Dessau-Roßlau kam auch aus der Union. „Ich finde das extrem befremdlich“, sagte Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) dem Sender „Welt“. Das gelte insbesondere dann, „wenn das von politischen Repräsentanten gemacht wird, die damit ja ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden möchten“. CSU-Generalsekretär Martin Huber sagte: „Mit dem Absingen der DDR-Hymne zelebriert die AfD hier ein brutales Unrechtsregime und entlarvt sich einmal mehr als extremistisch und geschichtsvergessen. Die AfD spaltet Deutschland und unsere Gesellschaft.“

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