Mehrere Euro mehr pro Packung
Zigaretten dürften bald viel teurer werden
Aktualisiert am 14.10.2026 – 16:32 UhrLesedauer: 3 Min.
Millionen Menschen rauchen in Deutschland. Das beschert dem Fiskus Jahr für Jahr Milliardeneinnahmen. Künftig möchte der Bund noch mehr Steuern kassieren.
Deutschlands Raucherinnen und Raucher müssen sich auf wesentlich höhere Preise für Zigaretten einstellen. Das liegt an einer Gesetzesnovelle, die steigende Tabaksteuern vorsieht. Hierüber stimmt der Finanzausschuss des Bundestags am Mittwoch ab, die Zustimmung gilt als sehr wahrscheinlich. Am Donnerstag soll das Plenum der Volksvertretung grünes Licht geben. Der Bundesrat könnte am Freitag Einspruch einlegen, das aber gilt als nahezu ausgeschlossen.
Tabaksteuer-Erhöhung: Wie stark die Preise steigen werden
Ab 2027 werden die Steuern und damit auch die Preise dem Vorhaben zufolge schrittweise nach oben gehen, 2030 könnte eine Packung Zigaretten rund vier Euro mehr kosten als derzeit. Der durchschnittliche Packungspreis betrug im Sommer 8,05 Euro. Auf Basis des Gesetzesvorhabens wird für das kommende Jahr ein Durchschnittspreis von 9,10 Euro für eine 20er-Packung prognostiziert. 2028 werden es nach einer weiteren Steueranhebung 9,91 Euro sein, 2029 10,81 Euro und 2030 schließlich 11,78 Euro. Markenzigaretten könnten bis zu 14 Euro kosten, derzeit liegt ihr Preis unter 10 Euro.
Deutlich teurer wird es auch für Nutzer von Feinschnitt, also selbst gedrehten Zigaretten. Aktuell ist eine 30-Gramm-Packung Feinschnitt für sechs bis acht Euro zu haben, sie enthält etwa doppelt so viel Tabak wie in einer vorgefertigten 20er-Zigarettenpackung. Einer Statistik zufolge könnte der gewichtete durchschnittliche Kleinverkaufspreis nach gut acht Euro im kommenden Jahr auf mehr als 12 Euro im Jahr 2030 ansteigen.
Teurer werden auch Zigarren, Zigarillos und Wasserpfeifentabak – bei diesen Produkten geht es aber nicht so steil nach oben, wie in dem Gesetzgebungsverfahren zwischenzeitlich erwogen wurde.
Tabaklobby warnt vor den Folgen
Die Tabaklobby ist von den Plänen nicht begeistert. Michael von Foerster vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) sagt: „Wenn klassische Zigarettenpackungen teurer werden, weichen viele Raucher auf Feinschnitt aus, um ihren Geldbeutel zu schonen.“ Nun werde Feinschnitt aber viel teurer und der Preisabstand zu Zigarettenpackungen geringer. „Dadurch werden viele Raucher nicht von legalen Zigaretten auf Feinschnitt umsteigen, sondern von legalen Zigaretten auf illegale Zigaretten – unsere legalen Firmen verlieren Kunden und der Fiskus Steuerzahler, Gewinner ist die organisierte Kriminalität.“
Wie viele Extra-Milliarden der Fiskus erwartet
Die Bundesregierung begründet das Vorhaben mit knappen Kassen – das sei ein notwendiger Schritt zur Konsolidierung des Haushalts. Außerdem diene es dem Schutz der öffentlichen Gesundheit. Denn jedes Jahr sterben in Deutschland weit über 100.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, hauptsächlich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
Im vergangenen Jahr nahm der Fiskus 17,6 Milliarden Euro an Tabaksteuern ein. 2027 werde die Steueranhebung 1,5 Milliarden Euro mehr in die Kassen spülen als ohne die Anhebung, heißt es vom Bundesfinanzministerium. Die Steuermehreinnahmen werden der Prognose zufolge Jahr für Jahr steigen, 2030 sollen sie bei 4,5 Milliarden Euro liegen.
An dieser Prognose hat die Tabaklobby aber Zweifel. Der „Hoffnungsposten Mehreinnahmen“ werde keine Realität werden, warnt VdR-Verbandsvertreter von Foerster. Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) spricht von „völlig unrealistischen Luftschlössern“.
Viele Verbraucher werden in den Schwarzmarkt abwandern und sich illegale Zigaretten in Hinterhöfen besorgen oder im EU-Ausland einkaufen, sagt er und verweist auf eine Studie des Beratungsunternehmens DIW Econ, das ähnliche Steueranhebungen in anderen EU-Staaten analysiert und geschlussfolgert hatte, dass auch in Deutschland Schwarzmarkt-Effekte drohen.















