September 9, 2026 5:43 p.m. CEST

„Deepfake-Imitationen sind aktuell die am schnellsten wachsende Bedrohung“, sagt Brovin. Mithilfe generativer KI können Kriminelle Videos und Stimmen von CEOs, Influencern oder sogar Familienmitgliedern täuschend echt nachahmen.

Wie gravierend die Folgen sein können, zeigen aktuelle Fälle: Ein Deepfake-Livestream mit einem angeblichen Elon Musk brachte einer Betrugsbande mindestens fünf Millionen US-Dollar ein. In Australien verlor ein Anleger 64.000 US-Dollar über einen auf Signal beworbenen Betrug, in Zypern wurden einer 57-Jährigen 37.000 Euro entzogen.

„Der Meteora-Memecoin-Rug-Pull kostete Investoren über 69 Millionen US-Dollar, Kokomo Finance rund 5,5 Millionen“, berichtet Brovin. Auch eine Frau aus dem US-Bundesstaat Maryland verlor Millionen in einer Pig-Butchering-Aktion.

Deepfake-getriebene Abzocke lässt sich Brovin zufolge an klassischen Warnsignalen erkennen: „Versprechen garantierter Renditen, fehlende oder vage Dokumentation, keine nachprüfbare Firmenregistrierung, hoher Entscheidungsdruck, unaufgeforderte Nachrichten oder echt aussehende, aber nicht belegbare Websites.“

Auffällig seien auch Tokens ohne klaren Nutzen, Plattformen, die Auszahlungen blockieren, und jede Aufforderung, persönliche Daten wie Passwörter, IDs oder Seed-Phrasen – eine Sequenz von 12 bis 24 zufällig generierten Wörtern – preiszugeben.

Um sich zu schützen, rät Brovin, die Registrierung eines Unternehmens bei der zuständigen Finanzaufsicht zu prüfen, vollständige Unterlagen zu verlangen und zu lesen, URLs und Behauptungen eigenständig zu überprüfen und keine sensiblen Daten zu teilen. „Und testen Sie Auszahlungen früh, bevor Sie größere Beträge investieren“, ergänzt er.

Ist das Geld erst einmal weg, sind die Chancen gering. „Die Rückholung gestohlener Kryptowährungen ist hart und selten erfolgreich“, sagt Brovin. Zwar helfe es, den Fall zu melden, doch der Prozess sei komplex. Von angeblichen „Recovery“-Dienstleistern, die gegen Vorkasse Hilfe versprechen, rät er ab: „Das sind oft sekundäre Betrügereien.“

Wichtig sei, sofort die Polizei und nationale Behörden einzuschalten und alle Beweise vorzulegen – von Wallet-Adressen und Transaktions-IDs über Chatprotokolle bis zu Screenshots.

Für die Zukunft erwartet Brovin drei Entwicklungen: „Noch überzeugendere KI-gestützte Social-Engineering-Angriffe, schnellere und leichter zugängliche Drainer-Kits und neue Betrugsformen, die Plattformen und Regulierer überholen.“ Deepfake-Imitationen blieben eine branchenübergreifende Bedrohung.

Gleichzeitig könne Künstliche Intelligenz beim Schutz eine Schlüsselrolle spielen. „KI unterstützt bereits die Betrugsbekämpfung – von der Identitätsprüfung und Deepfake-Erkennung über Geräte- und Verhaltensanalysen bis hin zu speziellen Analyseverfahren, die Betrugsnetzwerke aufdecken“, erklärt Brovin.

Auch Anti-Geldwäsche-Systeme und die laufende Überwachung von Blockchain-Transaktionen in Echtzeit (On-Chain-Monitoring) würden durch KI gestärkt. „Zusammen erhöhen diese Techniken die Trefferquote und senken gleichzeitig Fehlalarme oder beeinträchtigen das Nutzererlebnis durch zu häufige Identitätsnachweise.“

Lukas hat rund 7.000 Euro an Betrüger verloren, weil er zu leichtgläubig hohen Renditeversprechen geglaubt hat. Inzwischen hat er Anzeige bei der Polizei erstattet. Auch wenn Lukas sein Geld vermutlich nicht zurückbekommen wird, kann sein Fall anderen als Warnung dienen. Jede gemeldete Straftat hilft, Betrügerstrukturen sichtbar zu machen – und vielleicht künftige Opfer zu schützen.

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