Nach geplatzter Finanzierung
Insolvenz bei Autozulieferer: Sogar Rolls-Royce‘ „Emily“ ist betroffen
Aktualisiert am 15.09.2026 – 10:47 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein Investor versprach Millionen und zahlte nie. Jetzt ist der Zulieferer Paragon insolvent. Betroffen sind Hunderte Beschäftigte – und die berühmteste Kühlerfigur der Welt.
Auf dem Papier war alles geregelt: Monatelang hatten beide Seiten verhandelt, die Bilanz war geprüft, zwölf Millionen Euro waren schriftlich zugesagt. Doch das Geld kam nie an. So lässt sich zusammenfassen, was den Automobilzulieferer Paragon aus dem ostwestfälischen Delbrück in die Pleite getrieben hat.
Inzwischen hat das börsennotierte Unternehmen für gleich drei Gesellschaften Insolvenz angemeldet: die Paragon GmbH & Co. KGaA sowie die Töchter Paragon electronic und Paragon movasys. Betroffen sind 552 Beschäftigte an sechs deutschen Standorten.
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Ein Investor, der nicht zahlte
Hinter dem geplatzten Deal steht der indische Investor Tejascore Techsystems Inc. Seit Ende November 2025 hatte Paragon mit ihm verhandelt, um seine Schulden bei Lieferanten abzubauen. Am 19. Juni 2026 unterschrieben beide Seiten ein verbindliches Termsheet, also ein rechtlich bindendes Eckpunktepapier, das die wichtigsten Bedingungen der Investition festhält.
Am selben Tag sagte Tejascore schriftlich zu, zwölf Millionen Euro als Darlehen bereitzustellen – fünf Millionen bis Ende Juni, weitere sieben bis Ende Juli, dazu eine Kreditlinie über sechs Millionen Euro auf Abruf. Gezahlt wurde nichts.
Verdacht auf arglistige Täuschung
Besonders brisant: Nach Angaben von Paragon stellten sich die vom Tejascore-Geschäftsführer behaupteten Finanzmittel von über 100 Millionen Dollar in den USA als nicht vorhanden heraus. Das Geld sollte offenbar erst über einen Börsengang in New York beschafft werden, der aber misslang. Die Anwälte des Zulieferers gehen inzwischen von arglistiger Täuschung aus, der Verdacht auf Betrug steht im Raum.
„Ich bin extrem enttäuscht von dem potenziellen Partner, der am Ende nur leere Versprechungen gemacht hat“, erklärte Gründer und Geschäftsführer Klaus Dieter Frers. Er habe bereits Millionenbeträge eingebracht und auf Ansprüche verzichtet, um die Lage zu retten.
Warum „Emily“ mit drinhängt
Für Autofans hat die Insolvenz einen prominenten Nebenschauplatz. Am Standort Landsberg am Lech, wo rund 120 Menschen arbeiten, fertigt Paragon movasys unter anderem den Mechanismus, mit dem „Emily“ ein- und ausfährt – die legendäre Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ auf der Motorhaube jedes Rolls-Royce. Die geflügelte Dame verschwindet auf Knopfdruck sicher im Kühlergrill, etwa bei Diebstahlgefahr. Der Zulieferer der BMW-Luxustochter aus Oberbayern hat also einen der feinsten Aufträge der Branche.
