Juli 14, 2026 6:58 p.m. CEST

Häufiges Berufsrisiko

Schon bei geringer Belastung droht Lungenkrebs


14.07.2026 – 17:01 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Mann schneidet eine Steinplatte (Symbolbild): Der beim Schneiden, Bohren, Schleifen und Polieren von Steinmaterialien entstehende Staub kann diverse Atemwegserkrankungen verursachen. (Quelle: Bill Oxford/getty-images-bilder)

Quarzstaub ist weitverbreitet. Ihn einzuatmen, erhöht das Risiko für Lungenkrebs – und zwar bereits in geringer Dosis, wie eine Studie zeigt.

Eine große kanadische Langzeitstudie mit fast 49.000 Bergleuten hat ergeben: Auch vergleichsweise geringe Quarzstaubkonzentrationen in der Atemluft sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, an Lungenkrebs zu erkranken. Ein Schwellenwert, unterhalb dessen kein erhöhtes Risiko besteht, ließ sich in der Studie nicht feststellen.

Gut zu wissen

Quarz(fein)staub bezeichnet Stäube, die kristallines Siliziumdioxid enthalten. Dieses bildet den Hauptbestandteil der Erdkruste und kann an vielen Arbeitsplätzen die Atemwege belasten: etwa in der Glas-, Keramik-, Metall-, Porzellan- und Steinindustrie, durch Füllstoffe in der Kunststoffindustrie, im Berg- und Tunnelbau, bei Sandstrahlarbeiten sowie bei Bauarbeiten.

Über Jahrzehnte gesammelte Daten analysiert

Für die Studie wertete ein Forschungsteam Daten von 48.772 Bergleuten aus, die zwischen 1964 und 2022 im Krebsregister der kanadischen Provinz Ontario erfasst worden waren. Die Bergleute wurden im Mittel 44 Jahre lang beobachtet. Bei 3.218 von ihnen wurde in dieser Zeit Lungenkrebs diagnostiziert.

Das Forschungsteam schätzte die individuelle Quarzstaubbelastung anhand historischer Messdaten und setzte sie mit dem Auftreten von Lungenkrebs in Beziehung. Dabei berücksichtigte es auch mögliche weitere Einflussfaktoren wie Arsenstaub, Belastungen im Uranbergbau und Röntgenuntersuchungen.

Risiko steigt bereits bei niedriger Belastung

Bei allen untersuchten Atemwegsbelastungen zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der kumulativen Exposition – also der Quarzstaubbelastung über die gesamte Arbeitszeit – und dem Lungenkrebsrisiko.

Zur Erklärung: Kumulative Exposition

Die kumulative Exposition errechnet sich aus der durchschnittlichen Quarzstaubkonzentration in der Luft (in Milligramm pro Kubikmeter) multipliziert mit der Dauer der Belastung (in Jahren). Ein Beispiel: Wer 10 Jahre lang einer durchschnittlichen Konzentration von 0,2 Milligramm pro Kubikmeter (mg/m³) ausgesetzt war, erreicht eine kumulative Exposition von 10 Jahren mal 0,2 mg/m³ = 2 mg/m³-Jahre.

Bereits bei einer kumulativen Exposition von 0,5 bis 2,0 mg/m³-Jahren war die Lungenkrebsrate laut der Analyse 1,33-mal höher als bei einer Gesamtbelastung von unter 0,5 mg/m³-Jahren.

Ergebnisse zeigen sich stabil

Der Zusammenhang blieb bestehen, nachdem diejenigen Bergleute aus der Analyse ausgeschlossen worden waren, die infolge der Quarzstaubbelastung bereits die Lungenkrankheit Silikose entwickelt hatten. Wurden zudem Uranbergleute nicht berücksichtigt, fiel der Zusammenhang sogar noch deutlicher aus. Auch weitere Analysen zur Überprüfung möglicher Verzerrungen bestätigten den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Quarzstaub und Lungenkrebs.

Bedeutung für den Arbeitsschutz

Das Forschungsteam sieht damit die Erkenntnis, dass Quarzstaub Lungenkrebs verursachen kann, erneut wissenschaftlich bestätigt. Besonders bedeutsam ist nach seiner Einschätzung die Beobachtung, dass das Krebsrisiko bereits bei niedrigen Gesamtbelastungen erhöht und kein sicherer Schwellenwert erkennbar ist. Das könnte helfen, die Risikobewertung am Arbeitsplatz weiter zu verbessern und Beschäftigte wirksamer vor Quarzstaub zu schützen.

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