September 16, 2026 12:25 p.m. CEST

Der geistigen Gesundheit zuliebe

Warum Forscher zu dieser einfachen Freizeitaktivität raten


16.09.2026 – 10:45 UhrLesedauer: 4 Min.

Lesen kann Freude bereiten, doch womöglich hat es auch langfristig positive Auswirkungen. (Quelle: Frazao Studio Latino/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Eines der ältesten Hobbys überhaupt ist offenbar überaus gesund für das Gehirn. Forscherinnen fassen zusammen, was Lesen für Gehirn und Psyche bedeuten könnte.

Ein gutes Buch zu lesen, kann Vergnügen bereiten und den eigenen Horizont erweitern. Doch kommt dieses Hobby auch der Gesundheit zugute, insbesondere der geistigen? Forscherinnen der Cambridge University wollten diese Frage möglichst umfassend beantworten. Dazu trugen sie die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem Thema zusammen – und resümieren: Lesen zum Vergnügen ist tatsächlich in vielerlei Hinsicht förderlich.

Über viele Altersgruppen hinweg zeigt sich ein Zusammenhang mit besserer Konzentration und Gedächtnisleistung, weniger Stress und einem geringeren Risiko für geistigen Abbau.

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Viele verschiedene Studien gesichtet

An der Arbeit wirkten Barbara Sahakian, Christelle Langley und Vicki Perrin mit. Sahakian ist Professorin für Klinische Neuropsychologie an der Universität Cambridge, Langley arbeitet dort als kognitive Neurowissenschaftlerin. Perrin leitet The Queen’s Reading Room, eine Organisation, die sich für mehr Lesen im Alltag einsetzt.

Die drei führten keine experimentelle Untersuchung mit eigenen Teilnehmern durch. Stattdessen verschafften sie sich einen Überblick über den bisherigen Forschungsstand und berichteten im Fachjournal „Psychological Medicine“, was die Forschung bislang über mögliche Auswirkungen des Lesens auf Gehirn, Denken und psychisches Wohlbefinden nahelegt.

Dafür griffen sie auf sehr unterschiedliche Arbeiten zurück: Befragungen zum Wohlbefinden und Leseverhalten, große Langzeitstudien, in denen Teilnehmer über mehrere Jahre begleitet wurden, Untersuchungen mit Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests sowie Studien mit Hirnscans. Hinzu kamen kleinere Experimente, bei denen Teilnehmer gezielt im Lesen trainiert wurden.

Warum Lesen gut für Kinder ist

Unter anderem heben die Forscherinnen eine Langzeitstudie mit über 10.000 Kindern hervor, an der sie selbst beteiligt waren. Diese Untersuchung zeigte, dass Kinder, die schon früh in ihrem Leben zum Vergnügen lasen, in mehreren Bereichen Vorteile aufwiesen: Sie verfügten über eine bessere Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung sowie stärkere Fähigkeiten zur Planung und Selbstkontrolle. Ihre schulischen Leistungen waren besser, sie hatten weniger psychische Probleme und pflegten einen gesünderen Lebensstil – unter anderem mit mehr Schlaf und weniger Bildschirmzeit.

Christelle Langley kommentiert in einer Pressemitteilung: „Angesichts der Vorteile, die Lesen zum Vergnügen schon in jungen Jahren haben kann, sollten wir alles dafür tun, Kinder und Jugendliche ans Lesen heranzuführen. Entscheidend ist, etwas zu finden, über das sie wirklich gern lesen würden – das kann zum Beispiel eine Fernsehserie oder ein Spiel sein – und dies als Einstieg zu nutzen. Auch Comics und Graphic Novels könnten dabei helfen, weil sie womöglich weniger abschreckend und vielleicht weniger langweilig wirken als Romane.“

Lesen scheint nicht nur mit besseren Lese- und Schreibfähigkeiten verbunden zu sein, sondern auch mit besseren Leistungen in Mathematik. Ein möglicher Grund: Lesen und Mathematik greifen teilweise auf ähnliche geistige Prozesse zurück, etwa Sprachfähigkeiten, Gedächtnis sowie die Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu steuern, zu planen und Impulse zu kontrollieren.

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