„Ein zweischneidiges Schwert“
Das schönste Dorf der Welt hat Angst vor den Touristenmassen
15.09.2025 – 12:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein bildhübsches Dorf in England empfindet seine Berühmtheit als „zweischneidiges Schwert“. Immer mehr Menschen wollen es sehen.
Ende August krönte das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ das Dörfchen Bibury in England zum schönsten Dorf der Welt. Bibury verwies das weltberühmte Hallstadt in Österreich auf Platz zwei. Doch mit der Freude über den von Experten verliehenen Titel kam schnell auch die Angst.
Am Anfang sei er einfach nur verblüfft gewesen, erzählte Craig Chapman, Vorsitzender des Gemeinderates von Bibury, kürzlich „BBC Radio Gloucestershire“. Chapman: „Ich habe die Welt bereist und viele Orte gesehen. Zu glauben, dass wir wirklich das attraktivste Dorf sind, ist eine große Ehre. Es kam überraschend, denn es gibt da draußen viel Konkurrenz.“
„Es ist aber auch ein vollkommen zweischneidiges Schwert“, so Chapman weiter. Bibury in den Cotswolds, etwa zwei Autostunden nordwestlich von London, habe 600 Einwohner. „An manchen Wochenenden strömen aber bis zu 20.000 Reisende in unser Dorf“, so Chapman. Die große Zahl der Touristen sei „problematisch“ und die Einheimischen würden einen Preis dafür bezahlen, dass ihr Dorf nun weit über die Landesgrenzen des Vereinigten Königreiches hinaus bekannt geworden ist.
Das Problem besteht seiner Aussage nach darin, „wie Menschen ins Dorf kommen, und wenn sie hier sind, wie sie sich verhalten und wo sie parken“. Am Anfang seien große Reisebusse angekommen. Dabei liege das Dorf nur an einer kleinen Nebenstraße. „Die Straße ist schmal und es gibt nur eine Brücke über das Flüsschen Coln. Und die ist auch nur breit genug für ein Fahrzeug.“ Die Staus seien schlimm gewesen.
Dann habe das Dorf beschlossen, Beschränkungen einzuführen. Im Dorfzentrum seien Parkbuchten geschlossen und neue Zu- und Ausstiegsstellen eingerichtet worden. Außerdem seien Touristen und touristische Unternehmen gebeten worden, mit kleineren Fahrzeugen anzureisen.
Im vergangenen Monat wurden Touristen gebeten, bei Besuchen in Bibury kleinere Fahrzeuge zu nutzen, um den Druck zu verringern. Nur wenn es Harmonie zwischen Einheimischen und Touristen gibt, so Chapman, kann das auch alles funktionieren. Die Beschränkungen hätten den größten Druck abgemildert. Ob in der Zukunft weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen, werde sich zeigen.














