Von Kirsten Ripper & Euronews mit BGfU
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Vor dem Ufer von Lindau im Bodensee haben Unterwasserarchäologen Holzteile eines Schiffswracks entdeckt, die viel älter zu sein scheinen als zunächst angenommen.
„Der Hinweis kam von einem ortskundigen Freizeittaucher. Er hatte bereits vermutet, dass es sich um ein Wrack handeln könnte“, berichtet Forschungstaucher für Unterwasserarchäologie Prof. Dr. Tobias Pflederer auf Euronews-Anfrage. Von Beruf ist er Kardiologe in Kaufbeuren, Professor an der Universität Erlangen und Ehrenpräsident der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (BGfU).
„Besonders spannend war, dass wir die Holzreste tatsächlich als Wrack identifizieren konnten. Das war nicht von Anfang an klar, es könnte sich um andere Holzstücke gehandelt haben. Doch als mehrere Spanten und Rumpfreste aus dem Seegrund ragten, war die Deutung schnell klar“, erklärt Pflederer.
Ein Rahmen ist ein tragendes Strukturbauteil eines Bootes, Schiffs oder Flugzeugs. Verbundene Spanten bilden wie Rippen den Rumpf eines Schiffes. Die Unterwasserarchäologen der BGfU hatten zuvor im Bodensee und auch im Chiemsee mehrere, deutlich schwerere Einbaumkanus gefunden, von denen einige im Deutschen Museum in München ausgestellt sind.
Das neu entdeckte mittelalterliche Gefäß ist offenbar zwischen acht und zwölf Meter lang. Die Breite seines Rumpfes beträgt rund drei Meter.
Die Rahmen und andere Holzelemente im Bodensee, Deutschlands größtem Binnengewässer, wurden vor Lindau nahe der Grenze zu Österreich gefunden. Das gegenüberliegende Ufer gehört zur Schweiz.
Bereits im vergangenen Jahr und vor den jüngsten Hitzewellen waren die Wasserstände im Bodensee auf einem historischen Tiefstand.
Ein Schiffswrack aus dem Spätmittelalter
Was die Unterwasserarchäologen wirklich überraschte, war das Alter des Wracks. „Eigentlich hatten wir mit einer Datierung in die Neuzeit gerechnet. Zwar gibt es im Bodensee bereits einige Wracks aus dem Spätmittelalter, von ihnen sind es aber bisher nur wenige – bisher vier. Das Wrack kann daher weitere Einblicke in den Schiffbau und die Schifffahrt auf dem Bodensee im Spätmittelalter geben.“
Die Analyse einer kleinen Holzprobe – durchgeführt in Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege – ergab, dass das Wrack aus der Zeit zwischen 1420 und 1450 n. Chr. stammt Schwäbische Zeitung berichtet auch.
Unterwasserarchäologe Pflederer will den Fund herunterspielen: „Bisher haben wir nur zwei Tauchgänge durchgeführt und lediglich eine erste Vermessung durchgeführt, also Orthofotos angefertigt und eine Holzprobe aus einem der Bilder entnommen. Mithilfe der Radiokarbondatierung (C14) konnte das Wrack dann dem 15. Jahrhundert n. Chr. zugeordnet werden.“
Die Bergung des Wracks wäre äußerst kostspielig
Anders als beim spektakulären Fund einer Fracht aus der Römerzeit im Neuenburgersee in der Schweiz gibt es derzeit keine Pläne, das Wrack aus dem Bodensee zu bergen.
Pflederer sagt: „Eine Bergung bedeutet immer, dass die Teile des Wracks professionell konserviert und konserviert werden müssen.
Weitere Informationen zu den Projekten des Vereins an mehreren Seen finden Sie auf der Website der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (Quelle auf Deutsch) (BGfU). Der Verein hat rund 100 Mitglieder, die meisten davon ehrenamtlich. Dazu gehören professionelle Archäologen und ausgebildete Forschungstaucher, aber auch Studenten, erfahrene Sporttaucher und Menschen, die Unterwasserarchäologie als Hobby betreiben.
Zusätzliche Quellen • Schwäbische Zeitung














