Real und die Schiedsrichter
Hitler-Vergleiche, Krach: Wie brisant ist der Clásico?
25.10.2026 – 09:37 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Zahlen der aktiven Schiedsrichter sind zuletzt wieder gestiegen. Wer in diesen Tagen als Unparteiischer im spanischen Fußball aktiv ist, braucht jedoch womöglich eine leicht masochistische Ader.
Am Sonntag steigt der Höhepunkt einer jeden Saisonhälfte in der spanischen La Liga: der Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Zwei globale Schwergewichte, die in den vergangenen Wochen aber zusehends mit Schiedsrichtern beschäftigt waren. Speziell Real Madrid suggeriert seit einer Weile, dass Barcelona von den Spielleitern systematisch bevorteilt werden würde.
Und dazu fährt der 36-fache spanische Meister große Geschütze auf. Zunächst hat der Klub vor drei Wochen dafür gesorgt, dass der „Fall Negreira“ wieder an Fahrt aufnimmt. Dafür sendete Real etliche Dokumente an die Uefa, damit diese nun ermitteln kann. Es geht konkret um das Verhältnis zwischen Barcelona und José María Enríquez Negreira, dem einstigen Vize-Chef der spanischen Schiedsrichterkommission. Im Zeitraum von 2001 bis 2018 sollen Zahlungen in Höhe von insgesamt 8,4 Millionen Euro von Barça an Unternehmen geflossen sein, die mit Negreira in Zusammenhang standen.
Barcelona wiederum sagt, dass Negreira in einer beratenden Funktion für Barcelona tätig war und nie Geld an die eigentlichen Schiedsrichter auf dem Feld geflossen wäre. Der Fall wurde zunächst 2023 bekannt, als unter anderem ein Brief von 2019 an die Öffentlichkeit kam. In diesem drohte Negreira dem katalanischen Klub, die Aktivitäten publik zu machen, nachdem Barcelona einen Vertrag mit seinem Unternehmen infolge von Ausgabenkürzungen gekündigt hatte.
Die spanische Justiz urteilte zunächst, dass es sich nicht um Beamtenbestechung handeln würde, weil Negreira kein öffentlicher Bediensteter war. Die Ermittlungen wurden dann unter dem Verdacht der „Sportbestechung“ fortgesetzt, verliefen jedoch schleppend. Uefa-Präsident Aleksander Čeferin äußerte sich bereits im April 2023 zum Vorgang, aber der europäische Verband wartete auf die Ermittlungen der spanischen Staatsanwaltschaft Ministerio Fiscal. Real zwingt die Uefa nun, selbst tätig zu werden.

Barcelonas ärgster Konkurrent fordert nichts weniger als die Aberkennung aller Titel in dem Zeitraum, in welchem die Zahlungen vonseiten Barças erfolgten. Die Uefa könnte im schlimmsten Fall Barcelona nach Artikel vier der eigenen Statuten von den internationalen Wettbewerben ausschließen. Allein dieser Vorgang könnte im spanischen Spitzenfußball böses Blut schüren.
Ligaboss sieht Goebbels-Taktiken
Doch das ist bei Weitem nicht alles. Real Madrid geht auch gegen den Chef von La Liga vor. Der 64-jährige Javier Tebas hatte kürzlich die Berichterstattung von Reals vereinseigenem Sender scharf kritisiert, weil dieser laut ihm wiederholt Zusammenschnitte zeigte, welche Fehlentscheidungen zuungunsten Reals suggerieren würden. Tebas verglich die Vorgehensweise mit den Methoden von Joseph Goebbels, einst Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda unter Adolf Hitler.
Das führte dazu, dass Real ein fast schon bizarres öffentliches Statement abgab, in welchem der Name Goebbels im ersten Satz genannt wurde. Die Madrilenen fordern den Rücktritt von Tebas. Der Vorsitzende des Nationalen Sportrats von Spanien (CSD), José Manuel Rodríguez Uribes, hat Tebas aufgefordert, sich für die Äußerungen zu entschuldigen, weil „die Grenzen der Meinungsfreiheit“ überschritten wurden. Tebas, der übrigens Unterstützer der nationalistischen VOX-Partei ist, wird ohnehin 2027 nicht für eine fünfte Amtszeit kandidieren. Real Madrid fordert trotzdem, dass er sofort seinen Posten räumt.














