September 28, 2026 6:11 p.m. CEST

Russische Zwangsverwaltung

Putin enteignet deutsche Handelskette Metro


Aktualisiert am 28.09.2026 – 16:50 UhrLesedauer: 2 Min.

Regale bei Metro: Die Handelskette steht in Russland laut Moskau unter temporärer Verwaltung. (Quelle: Manfred Segerer/imago)

Der Kreml stellt Vermögenswerte des deutschen Großhändlers Metro unter staatliche Kontrolle. Die EU wertet solche Maßnahmen als Enteignung.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Montag per Erlass die Vermögenswerte des deutschen Großhandelskonzerns Metro in Russland unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Das geht aus dem am 28. September 2026 auf dem offiziellen Rechtsportal der Russischen Föderation veröffentlichten Präsidialerlass Nr. 689 hervor.

Konkret werden demnach 100 Prozent der Anteile an der Gesellschaft „Metro Warehouse Noginsk“ sowie 54,45 Prozent der Anteile an einer weiteren Metro-Tochtergesellschaft der Verwaltungsgesellschaft „UK Torg Rus“ übertragen. Der Erlass trat mit seiner Veröffentlichung sofort in Kraft.

  • Preisexplosion: Russen sollen sich eindecken
  • 1.800 Arbeitsplätze betroffen: Biontech schließt drei deutsche Werke

Moskau spricht offiziell von „temporärer Verwaltung“ – doch die Europäische Union bewertet solche Maßnahmen als das, was sie faktisch sind: Verstaatlichung und damit Enteignung. Westliche Unternehmen verlieren dabei die Kontrolle über ihre Vermögenswerte, ohne Entschädigung und ohne rechtliche Handhabe. Das Muster ist bekannt: Russland hat seit 2022 auf diesem Weg Dutzende westliche Unternehmensvermögen unter staatliche Kontrolle gebracht.

Logo eines Metro Cash & Carry-Marktes auf einem Gebäude im Stadtteil Rostokino in Moskau. (Quelle: —/dpa/Archivbild/dpa)

Wer ist „UK Torg Rus“?

Die Verwaltungsgesellschaft, an die Metros Vermögenswerte nun übertragen wurden, existiert erst seit dem 8. September 2026 – gegründet in Moskau, ohne veröffentlichte Finanzhistorie, offenbar eigens für diesen Zweck errichtet. Das Muster ist aus anderen Fällen bekannt: Auch für die Enteignungen von Danone, Carlsberg, Nestlé und Auchan wurden ähnliche Zweckgesellschaften ins Leben gerufen, die teils enge Verbindungen zu Putins Umfeld oder russischen Sicherheitsbehörden aufwiesen.

Im Fall Danone landeten die Assets schließlich beim Neffen des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow. Carlsberg-Chef Jacob Aarup-Andersen kommentierte den Vorgang damals: „Sie haben unser Geschäft in Russland gestohlen.“

Warum war Metro überhaupt noch in Russland?

Der Düsseldorfer Konzern gehörte zu den wenigen westlichen Großunternehmen, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 nicht aus Russland abzogen. Die Begründung des damaligen CEO Steffen Greubel: Man trage Verantwortung für mehr als 10.000 Mitarbeiter in Russland, die persönlich keine Schuld an der Aggression gegen die Ukraine trügen. Russland war für Metro ein bedeutender Markt – mit rund 93 Standorte und einem Jahresumsatz von etwa 2,4 Milliarden Euro, was einem Zehntel der gesamten Konzernerlöse entsprach. Die Profitabilität des Russland-Geschäfts galt intern als überdurchschnittlich.

Aktie.
Die mobile Version verlassen