Das steckt hinter „ProjektM1llion“
Rechtsextreme rufen zur Teilnahme an Demo in Berlin auf
09.10.2026 – 15:58 UhrLesedauer: 2 Min.

Rechtsextreme mobilisieren für eine Demo in Berlin. Die Organisatoren distanzieren sich von jeglichem Extremismus. Wie passt das zusammen?
Seit einigen Monaten finden in Deutschland und in Berlin Demonstrationen statt, die unter dem Motto „ProjektM1llion – Rücktritt der aktuellen Bundesregierung und Merz“ zahlreiche Teilnehmer mobilisieren. Auch am Samstag wollen sich Demonstranten unter diesem Motto vor dem Brandenburger Tor versammeln, wie aus dem Versammlungskalender der Stadt hervorgeht.
Zur Teilnahme rufen neben den Organisatoren auch rechtsextreme Jugendgruppen auf. Auf ihren Instagramaccounts teilen zwei regionale Ableger der „Jägertruppe“ den Demoaufruf – die Gruppe in Sachsen und die Gruppe in Berlin-Brandenburg. In der Instagramstory schreiben die Ableger: „Wir unterstützen das Projekt 1 Million“. Doch was steckt hinter dieser Demo?
Über die „Jägertruppe“
Im Berliner Verfassungsschutzbericht wird die „Jägertruppe Berlin-Brandenburg“ als „aktionsorientierte rechtsextremistische Jugendgruppe“ bezeichnet, die in den sozialen Medien entstanden ist. Zudem zeichnen sich die Mitglieder, wie auch die Gruppen „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) und „Deutsche Patrioten Voran“ (DPV), durch ein hohes „Provokations- und Gewaltpotenzial“ aus.
„ProjektM1llion“ vereint unterschiedliche Gruppierungen
Die Demonstrationen von „ProjektM1llion“ bilden nach Einschätzung einer Expertin der Informations- und Mobilisierungsplattform „Berlin gegen Nazis“ eine Reihe bundesweiter Protestformate. Unter diesem Dach verbinden sich verschiedene Protestströmungen. Dazu gehören Demonstranten gegen steigende Lebenshaltungskosten, mit allgemeiner Regierungskritik und mit migrationsfeindlichen Forderungen.
Trotz der Selbstdarstellung als „parteiunabhängig“ und „bürgerlich“ gebe es personelle und inhaltliche Überschneidungen mit der Corona-Protestszene, der sogenannten Friedensbewegung und der extremen Rechten. „ProjektM1llion“ versuche dabei, unterschiedliche Protestmilieus unter einer gemeinsamen Anti-Regierungsagenda zusammenzuführen, so die Expertin.
Rechtsextreme Gruppen testen Schnittmengen aus
Dass die „Jägertruppe“ die Nähe zur Demonstration sucht, sei nicht verwunderlich. Die Expertin sieht vor allem in rassistischen Forderungen wie „Remigration“ und der Bildsprache mit zahlreichen Deutschlandfahnen Schnittmengen.
Bereits in der Vergangenheit habe die Gruppe zu Veranstaltungen aus rechtsoffenen und verschwörungsideologischen Milieus mobilisiert. Die Expertin von „Berlin gegen Nazis“ sagt: „Offenbar ist es für die extrem rechte Jugendgruppe, wenn keine eigenen Aktivitäten anstehen, auch interessant, die Schnittmengen mit den Teilnehmern anderer Demos auszutesten.“
Auf der Webseite von „ProjektM1llion“ distanziert sich der Initiator Marcel Baldauf von jeglicher Form des Extremismus. Die formale Abgrenzung von „ProjektM1llion“ von Parteien und „Extremismus“ hält die Expertin jedoch angesichts der Inhalte für wenig aussagekräftig.
