Kinderbetreuung in Sachsen
Pflegefamilien fehlen: Jugendämter arbeiten am Limit
03.10.2025 – 08:48 UhrLesedauer: 2 Min.
In Dresden warten aktuell 15 Kinder auf Pflegefamilien. Doch die Vermittlung ist nicht leicht.
In Sachsen hat sich der Mangel an Pflegefamilien zu einem akuten Problem entwickelt. Besonders in Dresden, Leipzig und Chemnitz fehlen Menschen, die betroffene Kinder aufnehmen. „Vielerorts werden sie händeringend gesucht“, sagte die Sprecherin der Diakonie Sachsen, Nora Köhler. Die Lage sei kritisch, es gebe einen „akuten Mangel“. Dresden sucht für 15 Kinder eine Pflegefamilie.
Der Dresdner Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) berichtet von einem gestiegenen Bedarf in den vergangenen Jahren. Trotz Werbekampagnen sinke die Zahl der Bewerber. Kaum jemand bewerbe sich aus karitativen Gründen. Menschen wägen stärker zwischen beruflichen und familiären Interessen ab.
Die Anforderungen sind nach Einschätzung der Stadt komplexer geworden. Donhauser erklärt, die Kinder wiesen zunehmend „Störungsbilder“ auf. Dies erschwere die Suche nach geeigneten Pflegefamilien.
Die Diakonie bestätigt diese Entwicklung. Zunehmend gebe es Suchtprobleme oder psychische Probleme bei den Herkunftseltern und schwere Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern. Nora Köhler von der Diakonie verdeutlicht: „Das erschwert es, Familien zu finden, die sich dem stellen können und wollen.“
In Dresden leben 412 Kinder in 348 Pflegefamilien. Neun Millionen Euro flossen im vergangenen Jahr in die Vollzeitpflege. Chemnitz betreut 296 Kinder in 273 Pflegefamilien. Die Stadt betont, nicht allein die Zahl der Familien sei entscheidend. Kind und Familie müssten für ein „dauerhaftes Pflegeverhältnis“ zusammenpassen.
Sozialpädagogen unterstützen die Familien. Fortbildungen und Workshops ergänzen das Angebot. Alle drei Monate treffen sich Pflegekinder und Pflegefamilien zum Spielplatztreffen.
Die Diakonie kritisiert die Gesamtsituation der Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen. Köhler spricht von einem „historisch beispiellosen Kostendruck“, der das System destabilisiere. Einerseits steigen die Ausgaben, andererseits müssten die Kommunen vielerorts drastische Kürzungen vornehmen. Jugendämter etwa müssten nach Einschätzung der Diakonie früher eingreifen und mehr präventiv mit betroffenen Familien arbeiten. Dafür fehle es jedoch an Kapazitäten.
„Die Jugendämter arbeiten am Limit“, betont Köhler. Sie könnten oft nur in akuten Fällen tätig werden – etwa bei Inobhutnahmen oder eskalierenden Problemen. Wenn eine Gefährdung erkannt werde, sei es meist zu spät.
Der finanzielle Anreiz für Pflegeeltern bleibt gering. Sachsen orientiert sich bei der Bezahlung an den Empfehlungen des Deutschen Vereins. Für 2025 sind 1.178 Euro monatlich für Kinder bis sechs Jahre vorgesehen. Pflegeeltern erhalten weder Elterngeld noch Renten- oder Krankenversicherung. Nora Köhler fordert: „Es braucht dringend mehr Unterstützung für Pflegefamilien.“













