August 26, 2026 6:40 p.m. CEST

Seismik-Messung

Kleine Kästchen sollen über Münchens Wärme-Zukunft entscheiden


26.08.2026 – 16:52 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Geophon im Münchner Stadtteil Giesing: Die Geräte sind Teil der großen seismischen Messung und sollen Signale erfassen. (Quelle: t-online/Stefanie Haas)

Ein Telefon zur Erde? Nicht ganz. In München und im Umland stolpert man derzeit über kleine, orange Kästchen. Was es damit auf sich hat.

Brodelt es unter München, und wenn ja, könnte das die Heizungen in den Häusern und Wohnungen der Landeshauptstadt beeinflussen? Um das herauszufinden, findet derzeit eine umfassende seismische Messung statt. Mit dabei: Riesige Lkw und kleine Kästchen, die in die Tiefe hineinhorchen sollen.

Bereits im Juni kündigte die Stadt eines ihrer größten und wichtigsten Projekte an: „Giga-M“. Dabei geht es um nichts weniger als die Zukunft der Wärmeplanung in München. Mit den Messungen soll nämlich herausgefunden werden, ob es im Münchner Umland noch mehr Potenzial für Erdwärme gibt, und wenn ja, wie man diese anzapfen kann.

Giga-Projekt soll zeigen, wie die Münchner künftig heizen

„Giga-M“ ist genauso ambitioniert, wie es klingt. Denn aktuell sind im Münchner Umland Dutzende großer Lkw, sogenannte „Vibro-Trucks“, unterwegs, die Vibrationen ins Erdreich senden. Dort werden diese von den einzelnen Erd- und Gesteinsschichten zurückgeworfen. Diese Signale sollen die sogenannten Geophone empfangen: Das sind die kleinen, orangen Kästchen, die derzeit überall in München und im Umland zu sehen sind.

„Vibro-Trucks“ im Einsatz bei einem Waldstück in Hofolding: Am 20. August begann die Messkampagne. (Quelle: GIGA-M)

An der Messung ist neben der Stadt insbesondere die Technische Universität München (TUM) beteiligt, gefördert wird das Ganze vom Bundeswirtschaftsministerium. Die Daten mitsamt 3D-Modell gibt es dann kostenlos beim Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) für alle Interessierten zum Einsehen. Das Modell ist aber in erster Linie dazu da, um neue Optionen für Geothermie schnell und effizient zu erschließen.

„Giga-M“: Wozu der Aufwand?

Das ganze Vorhaben darf man sich wie eine Art riesiges Radar- oder Ultraschallbild vorstellen: Anhand der Schwingungen der „Vibro-Trucks“ entsteht ein 3D-Bild des Münchner Untergrunds im XXL-Format. Gemessen wird derzeit im südlichen Münchner Landkreis, später arbeiten sich die Trucks weiter nach Süden durch die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Starnberg und Fürstenfeldbruck sowie Dachau vor.

Sachsen steht laut Prognose vor kräftigen Heizkostensprüngen: Haushalte mit Fernwärme müssen rund 18 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr. (Symbolbild) (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa/dpa-bilder)

Was ist Erdwärme?

Erdwärme, auch bekannt als Geothermie, ist Wärmeenergie aus dem Inneren der Erde. Dort herrschen ganzjährig konstant milde bis hohe Temperaturen. Durch Bohrungen wird heißes Wasser nach oben gepumpt und die Wärme auf das Fernwärmenetz übertragen (sogenannte Tiefengeothermie). Auch zur Stromerzeugung kann Erdwärme verwendet werden. Wärmepumpen nutzen ebenfalls Erdwärme (oberflächennahe Geothermie), um Häuser zu heizen.

Diese ganzen Messungen führt die Stadt durch, um herauszufinden, ob man noch mehr Erdwärme anzapfen könnte. Die ist nämlich für München ein wichtiger Baustein ihrer kommunalen Wärmeplanung. Dieser Fahrplan, der Teil des Klimaschutzgesetzes ist, sieht vor, dass Heizen bis 2045 klimaneutral wird.

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