Geröll verschüttet Klärwerk
Bakterien-Alarm in Tirol: Ötztaler Ache für Wassersport gesperrt
Aktualisiert am 21.08.2026 – 08:52 UhrLesedauer: 2 Min.
Bei einem Unwetter wurde eine Kläranlage in Tirol unter Geröll und Schlamm begraben. Das Abwasser musste vorübergehend ungeklärt in einen bei Wassersportlern beliebten Fluss geleitet werden.
Bei einem massiven Murenabgang in Sölden im vergangenen Juli ist eine Kläranlage unter rund 100.000 Kubikmeter Geröll und Schlamm verschüttet worden. Seitdem muss das Abwasser provisorisch in die Öztaler Ache eingeleitet werden – ein Fluss, der unter anderem von Wassersportlern zum Rafting oder Kanufahren genutzt wird.
Gabriel Singer, Gewässerökologe an der Universität Innsbruck sagte im ORF, die Kläranlage in Sölden sei für 75.000 Menschen ausgelegt und damit eine der größeren Anlagen Österreichs. Zwar sei seit vergangener Woche eine Grobreinigung wieder möglich. Krankheitserreger, Medikamentenüberreste oder für Gewässer gefährliche Nährstoffe wie Phosphor oder Stickstoff können aber weiterhin ungefiltert in den Fluss gelangen.
Nach dem Murenabgang in Sölden hatte Bürgermeister Ernst Schöpf von einer Ausnahmesituation gesprochen. Die Kläranlage ist demnach nicht funktionsfähig. Das Abwasser kann vorübergehend nicht behandelt werden. Zudem könnten die Kanalsysteme für den Zufluss beschädigt sein, sodass das Abwasser die Anlage gar nicht erreicht. Um Kläranlage und Kanalnetz freizuräumen und instand zu setzen, sei eine befristete Umleitung der Abwässer direkt in die Ötztaler Ache nötig.
Kein Baden oder Wassersport
Erste Proben aus dem Fluss zeigten erhöhte Keimzahlen, teilten die Behörden mit. „Diese mögliche bakterielle Belastung ist ernst zu nehmen“, sagte Gesundheitsdirektorin Theresa Geley laut „Kronen-Zeitung“. Ergebnisse der zusätzlichen mikrobiologischen Untersuchungen liegen ihr zufolge noch nicht vor.
Die Behörden reagierten dennoch mit einem strikten Verbot. Der Abschnitt von der Brandachbrücke bis zur Mündung in den Inn bleibt für Wassersportler bis auf Weiteres gesperrt. Auch vom Baden wird dringend abgeraten. Hunde und andere Haustiere sollen nicht ins Wasser und keinesfalls daraus trinken.
Eine Auswirkung auf das Trinkwasser in der Region sei aber nach aktuellem Kenntnisstand nicht zu erwarten, so Geley. Das Land Tirol führt das wöchentliche Monitoring weiter, hieß es von den Behörden. Die Kläranlage solle bis zum Herbst stufenweise wieder in Betrieb gehen. Das Gewässer zeige neben einer möglichen bakteriellen Belastung keine weiteren ökologischen Auffälligkeiten.
Experte zeigt sich besorgt
Experte Singer äußerte im ORF jedoch Besorgnis: Eine hohe Nährstoffbelastung der Ötztaler Ache könnte ihm zufolge Eutrophierungserscheinungen auslösen, etwa ungewöhnlich starkes Algenwachstum. Zwar werde ein Großteil von Stickstoff und Phosphor normalerweise in Kläranlagen zurückgehalten, doch das geschehe derzeit in Sölden nicht und könne weitreichende Folgen haben.
Der Phosphor, der dort ins Wasser gelange, könne laut Singer womöglich sogar noch zur Algenblüte im Donaudelta beitragen. Der entscheidende Faktor sei die Verdünnung des Abwassers in der Ache, die könne die Verschmutzung jedoch nicht komplett reduzieren. „Wenn es keine Probleme nach sich ziehen würde, dann bräuchten wir auch keine Kläranlage“, so Singer.
