Nimmt sich Deutschland ein Beispiel?
Österreich spart bei Rentnern
Aktualisiert am 09.09.2025 – 11:36 UhrLesedauer: 3 Min.
In Österreich sollen Pensionen nicht mehr vollständig an die Inflation angepasst werden, viele Rentner müssten auf Kaufkraft verzichten. Ein Vorbild für Deutschland?
Rentner in Österreich sind in Aufruhr: Erstmals seit Jahren sollen die Altersbezüge nicht vollständig an die Inflation angepasst werden. Wie der „Standard“ berichtet, ringt die Regierung in Wien um ein Sparpaket. Die Senioren sollen dazu ihren Beitrag leisten. Dabei gilt eigentlich ein gesetzlicher Anspruch auf vollen Ausgleich der Teuerung, die in Österreich aktuell 2,7 Prozent beträgt.
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Angesichts knapper Staatsfinanzen soll es den vollen Ausgleich nur noch bis zu einer Grenze von rund 2.500 Euro brutto monatlich geben – so zumindest der Vorschlag der sozialdemokratischen SPÖ, die eine Koalition mit der konservativen ÖVP und den liberalen Neos bildet. Das hieße: Wer weniger Rente bezieht, bekommt die komplette Erhöhung erstattet. Wer mehr erhält, soll stattdessen nur eine Einmalzahlung von 67,50 Euro bekommen. Laut Schätzungen spart der Staat so rund 300 Millionen Euro.
Etwa 62 Prozent der österreichischen Rentner würden den vollen Inflationsausgleich erhalten. Der Rest wäre von einem Kaufkraftverlust betroffen. Seniorenvertreter protestieren bereits heftig. Auch Ökonomen warnen, dass eine dauerhafte Staffelung das Versicherungsprinzip aushöhlen könnte. Denn wer mehr eingezahlt hat, profitiert nicht mehr entsprechend.
Auch in Deutschland gibt es Überlegungen, wohlhabendere Rentner stärker in die Pflicht zu nehmen, um das Rentensystem zu entlasten. So brachte kürzlich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) einen Boomer-Soli ins Spiel. Auch die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, regte bereits an, innerhalb der Rentnergeneration umzuverteilen. Sie schlug vor, dass Renten nicht mehr so stark steigen wie die Löhne und besonders hohe Renten gedeckelt werden. Ihr Vorschlag ähnelt damit den aktuellen Plänen in Österreich.
Aktuell werden Renten in Deutschland automatisch an die Lohnentwicklung angepasst, nicht an die Inflation. Maßgeblich ist dafür die Lohnentwicklung des Vorjahres. Zum 1. Juli 2025 stiegen die Renten deshalb um 3,74 Prozent – deutlich mehr als die damalige Inflation von rund 2,0 Prozent. Ziel ist es, dass Rentner an der allgemeinen Wohlstandsentwicklung teilhaben.
Geht es mit den Löhnen bergab, springt allerdings die Rentengarantie ein. Das bedeutet, dass Renten auch in Krisenjahren nicht sinken dürfen. Über den sogenannten Nachholfaktor fällt eine Erhöhung in den Folgejahren dann aber niedriger aus. Von einer Kopplung der Rentenanpassung in Deutschland an die Inflation ist die derzeitige Politik der Bundesregierung allerdings weit entfernt. Der Kurs geht vielmehr in die entgegengesetzte Richtung.
