Kürzlich hat Dänemark seine Wirtschaftsprognose massiv gesenkt: von 3 auf 1,4 Prozent. Ein Grund: die schleppenden Geschäfte des Pharmakonzerns Novo Nordisk.
September 2023: Novo Nordisk aus Dänemark ist erstmals das wertvollste Unternehmen in Europa. Es verdrängt den Luxuskonzern LVMH vom obersten Börsenplatz. Denn der Run auf die Abnehmspritzen von Novo Nordisk hat das Geschäft und den Aktienkurs in immer neue Höhen befördert. Zugleich wuchs die dänische Wirtschaft 2023 um 1,8 Prozent – das war so nicht erwartet worden, vielmehr hatten Ökonomen eine Schrumpfung befürchtet. Doch es ging noch weiter.
2024 kostete die Aktie von Novo Nordisk zeitweise rund 135 Euro. Binnen drei Jahren war sie um das Fünffache gestiegen. Heute ist sie noch rund ein Drittel des einstigen Rekords wert, rund 45 Euro. Was Novo Nordisk einst auf die Waage brachte, ist schon in Relation zu seinem kleinen Heimatland bemerkenswert. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens übertraf zeitweise die dänische Wirtschaftsleistung. Doch nun müssen Dänemark und Novo Nordisk den Gürtel enger schnallen.
Dänemark erwartet statt 3 nur noch 1,4 Prozent Wirtschaftswachstum. Gerade erst verkündete das Unternehmen, es werde 9.000 Stellen streichen. Das ist mehr als jede zehnte, 5.000 davon in Dänemark. Für das Land eine regelrechte Kündigungswelle. Die Maßnahmen folgen auf die zweite Gewinnwarnung und nach der bitteren Pille der Erkenntnis: Die Konkurrenz schläft nicht. Die Abnehmspritzen von Novo Nordisk verkaufen sich nicht mehr so gut wie bisher: Nach der Abnehmspritze ist vor der Abnehmpille.
Genau die hat US-Konkurrent Eli Lilly entwickelt. Neben der einfachen Einnahme einer Pille im Vergleich zu einer Spritze soll die Pille von Eli Lilly zugleich Cholesterin und Blutdruckwerte verbessern. Sie nützt also zu mehr als zum reinen Abnehmen. Krankenversicherer dürften aufhorchen. Außerdem sei sie – sagen Analysten – einfacher herzustellen und damit kostengünstiger.
Noch ist es nicht so weit. Noch 2025 will das US-Unternehmen eine Zulassung für die Pille bei der US-Gesundheitsbehörde beantragen. Doch damit nicht genug: Längst hat Eli Lilly selbst Abnehmspritzen entwickelt, deren Wirkung besser sein soll als die von Novo Nordisk – sprich: Die Pfunde sollen schneller purzeln.
Die Folge: Novo Nordisk verliert Marktanteile – vor allem im „Mutterland der Beleibtheit“, den USA. Dazu kommt, dass es billigere Nachahmerprodukte gibt. Die sind zwar eigentlich verboten, kaufen kann man sie trotzdem irgendwo im Internet.
In Internetforen ist schon von Novo Nordisks Nokia-Moment zu lesen. Nokia aus Finnland war um die Jahrtausendwende der führende Handy-Hersteller. Und dann brachte Apple das iPhone auf den Markt. Nokia hatte vollkommen unterschätzt, was für ein Gamechanger das war. Das Ende ist bekannt. Analysten sagen heute: Dieser Moment ist für Novo Nordisk längst nicht gekommen. Aber Restrukturierungen brauchen Zeit. Und die Konkurrenz wird größer.














