Oktober 2, 2026 9:03 p.m. CEST

„Es gibt dafür einen Markt“

Neonazis sollen Millionen verdient haben


Aktualisiert am 02.10.2026 – 19:36 UhrLesedauer: 2 Min.

Razzia bei Extremisten: Die Verdächtigen sollen verbotene Nazi-Musik vertrieben haben. (Quelle: Jens Büttner/dpa/dpa-bilder)

Eine Bande von Rechtsextremisten soll über die Jahre viel Geld eingenommen haben. Die Behörden fanden bei den Mitgliedern unter anderem Tausende Euro Bargeld.

Nach einer Razzia in mehreren Bundesländern sowie im europäischen Ausland haben die Staatsanwaltschaft Rostock und das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern am Freitag erste Erkenntnisse veröffentlicht. Demnach stellten die Beamten bei den Durchsuchungen am Mittwoch Vermögenswerte in Höhe von rund zwei Millionen Euro sicher, die „deliktisch erlangt“ worden sein sollen.

Die Beschuldigten haben den Vorwürfen zufolge in den vergangenen Jahren enorme Summen mit Nazi-Musik verdient. Das aktuelle Ermittlungsverfahren konzentriere sich auf Tonträger mit verbotenen Inhalten, sagte Oberstaatsanwalt Harald Nowack t-online auf Nachfrage. „Es gibt dafür einen Markt.“

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Die vier Hauptbeschuldigten im Alter von 55, 52, 48 und 43 Jahren sollen sowohl ältere Rechtsrock-Aufnahmen sowie neuere Produktionen vertrieben haben. Bei ihnen wurden unter anderem 11.000 Euro Bargeld sichergestellt. Welche weiteren Vermögenswerte sichergestellt wurden, wollte Oberstaatsanwalt Nowack nicht konkret sagen. Allgemein könne es sich zum Beispiel um Schmuck, Bankguthaben, künftige Mietforderungen oder Grundstücke handeln, die mit Grundschulden belastet wurden.

Rechtsrock-Razzia: Ermittler stellen 33.000 Tonträger sicher

Bei der Razzia war in Mecklenburg-Vorpommern auch ein Spezialeinsatzkommando im Einsatz. Hunderte Polizisten durchsuchten außerdem Objekte in Schleswig-Holstein, Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen.

Die vier Hauptbeschuldigten sollen sich laut Staatsanwaltschaft spätestens 2020 auf Dauer zu einer kriminellen Vereinigung zusammenschlossen haben. Ihr Ziel sei es gewesen, „im organisierten Zusammenwirken eine nationalsozialistische, antisemitische, rassistische und menschenverachtende Ideologie über die arbeitsteilige Herstellung und den Verkauf von Tonträgern mit volksverhetzenden Musikinhalten zu verbreiten“.

Insgesamt 33.000 Tonträger wurden sichergestellt, 20.000 davon bei den Hauptverdächtigen. Ermittelt wird zudem gegen acht weitere Beschuldigte, denen „Volksverhetzungsdelikte im Zusammenhang mit den Tonträgerproduktionen“ vorgeworfen werden. Um wen es sich bei den Hauptbeschuldigten genau handelt, wollte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen. An mehreren Orten, an denen Durchsuchungen stattfanden, wohnen bekannte Neonazis oder betreiben Geschäfte – etwa in Anklam, Klein Bünzow, Bad Grönenbach und Wolfertschwenden.

Auch in Estland, Italien, Polen und in Tschechien fanden Durchsuchungen statt. Dort seien die Tonträger mutmaßlich hergestellt worden, hieß es. Die Durchsuchungen hätten ausschließlich Gesellschaften betroffen, die nicht wussten, welche Art von Musik sie herstellten.

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