Neue Studie
Dieser Schlaftyp geht womöglich früher in Rente
03.10.2026 – 10:54 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine finnische Langzeitstudie zeigt: Ob es Menschen gelingt, ihren Beruf bis zum Rentenalter auszuüben, könnte auch von der inneren Uhr abhängen.
Manche Menschen sind morgens schnell wach und leistungsfähig, andere kommen erst am Abend richtig in Schwung. Ursache dafür ist der sogenannte Chronotyp, also die natürliche Ausrichtung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Forscher der Universität Oulu haben nun untersucht, wie sich diese „innere Uhr“ auf die Erwerbsfähigkeit auswirken kann. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Occupational & Environmental Medicine“.
Gut zu wissen
Der Chronotyp beschreibt die individuelle Ausprägung der inneren Uhr, die bestimmt, ob ein Mensch eher ein Frühtyp („Lerche“) oder ein Spättyp („Eule“) ist.
70 Prozent höheres Risiko für ein vorzeitiges Ausscheiden
Für die Studie werteten die Wissenschaftler Daten von 5.679 Menschen aus, die 1966 in Nordfinnland geboren wurden. Mit 46 Jahren wurden sie anhand von Fragen zum Schlafverhalten und zur bevorzugten Tageszeit als Morgen-, Zwischen- oder Abendtypen eingeordnet.
Das Ergebnis: Menschen mit spätem Chronotyp hatten im Vergleich zum Frühtyp ein 1,7-fach höheres Risiko, in den folgenden zwölf Jahren eine Invaliditäts- beziehungsweise Erwerbsminderungsrente zu erhalten. Das entspricht einem um rund 70 Prozent erhöhten Risiko. Der Zusammenhang zeigte sich bei Männern und Frauen und blieb auch bestehen, nachdem Bildungsstand und Berufsgruppe berücksichtigt worden waren.
Die absoluten Zahlen verdeutlichen den Unterschied: Bei den Männern erhielten 8,3 Prozent der Abendtypen eine entsprechende Leistung, bei den Morgentypen waren es 5,0 Prozent. Bei den Frauen lagen die Werte bei 12,1 beziehungsweise 7,2 Prozent.
Die Mehrheit blieb allerdings im Berufsleben: 89,3 Prozent der Männer und 86,6 Prozent der Frauen mit spätem Chronotyp waren während des Beobachtungszeitraums weiterhin erwerbstätig.
Wenn Alltag und innere Uhr nicht im Takt sind
Eine mögliche Erklärung für die Ergebnisse könnte der sogenannte soziale Jetlag sein, also der Unterschied zwischen dem Schlafrhythmus an Arbeitstagen und freien Tagen: Abendmenschen fällt es häufig schwer, früh einzuschlafen. Gleichzeitig müssen sie an Arbeitstagen oft früher aufstehen, als es ihrem natürlichen Rhythmus entspricht. Dadurch kann sich ein Schlafdefizit aufbauen, das sie an freien Tagen durch längeres Schlafen ausgleichen.
Ständig gegen die eigene innere Uhr zu leben, könnte zusammen mit dem sozialen Jetlag langfristig das Risiko für gesundheitliche Probleme erhöhen.
Auch andere Faktoren spielen womöglich eine Rolle. Laut Studienautor Tapio Räihä könnte die oftmals schlechtere Gesundheit bei Abendmenschen auf „weniger gesunde Lebensweisen wie Rauchen und wenig körperliche Aktivität sowie auf eine Störung der inneren biologischen Uhr zurückzuführen sein, die zu Schlafproblemen führen kann.“ Zudem ist bei ihnen das Risiko für eine Reihe körperlicher und psychischer Erkrankungen erhöht.
Was genau dahintersteckt, ist noch unklar
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweisen kann. Die Ergebnisse belegen nicht, dass ein später Chronotyp selbst krank macht oder zwangsläufig zu einem früheren Ausscheiden aus dem Berufsleben führt.
Die Forscher vermuten, dass vor allem gesundheitliche Unterschiede zwischen Abend- und Morgenmenschen zu dem Ergebnis beitragen. Bei manchen Abendtypen könnte sich die Gesundheit im Alter zwischen 50 und 60 Jahren bereits so weit verschlechtert haben, dass ihre Arbeitsfähigkeit darunter leidet und sie daher häufiger eine Invaliditätsrente benötigen.














