Was Patienten wissen sollten
mRNA gegen schwarzen Hautkrebs: Ist das der Durchbruch?
20.08.2026 – 13:15 UhrLesedauer: 4 Min.
Ein therapeutischer Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs erregt weltweit Aufsehen. In einer großen Studie erzielte die Behandlung einen deutlichen Erfolg. Was heißt das für Patienten in Deutschland?
Die Schlagzeilen klingen gewaltig: Von „Durchbruch“, „Sensation“ und „Meilenstein“ ist die Rede. Der Anlass: Die US-Pharmakonzerne Merck und Moderna haben mitgeteilt, dass die letzte Phase der klinischen Studien zu einem therapeutischen Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs (Melanom) im fortgeschrittenen Stadium positive Ergebnisse gezeigt habe. „Dies ist die erste Bekanntgabe von positiven Phase-3-Ergebnissen für eine mRNA-basierte Krebstherapie“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung.
Eine Phase-3-Studie ist die letzte große Prüfung, die ein neues Medikament bestehen muss, bevor eine Zulassung möglich wird. Die nun bekannt gegebenen Ergebnisse stammen allerdings aus einer Zwischenanalyse – die Studie ist also noch nicht abgeschlossen. Dennoch wirft die Neuigkeit Fragen auf. Insbesondere: Lässt sich schwarzer Hautkrebs bald besser behandeln?
Impfung soll das Risiko für Rückfälle senken
Der neue Impfstoff dient nicht einer Impfung im klassischen Sinne, die darauf abzielt, einer Erkrankung vorzubeugen. Vielmehr ist er für Menschen gedacht, die bereits an einem Melanom, also schwarzem Hautkrebs, erkrankt waren. Wenngleich ihr Tumor entfernt wurde, besteht bei ihnen das Risiko, dass der Krebs zurückkommt. Der Grund ist, dass einzelne Krebszellen im Körper zurückbleiben. Aus ihnen kann später wieder ein Tumor entstehen.
Um das zu verhindern, erhalten die Patienten häufig das Medikament Pembrolizumab, bekannt unter dem Markennamen Keytruda. Es hilft dem eigenen Immunsystem dabei, Krebszellen anzugreifen.
Dabei soll die mRNA-Therapie helfen. Einfach formuliert soll sie dem Immunsystem zeigen, woran genau es die Krebszellen erkennen kann.
Was ist eine mRNA?
Eine mRNA ist eine Art kurzlebige Bauanleitung, mit der Zellen bestimmte Eiweiße herstellen können. Der Körper nutzt solche Bauanleitungen ständig, um Informationen aus dem Erbgut umzusetzen. Es gibt auch künstlich hergestellte mRNA-Medikamente. Diese werden dazu eingesetzt, um dem Immunsystem zu zeigen, wer der „Feind im Körper“ ist, den es zu bekämpfen gilt. Das Prinzip ist vielen noch aus der Coronazeit bekannt. Die mRNA-Impfstoffe gegen Covid sollten den Körper auf einen späteren Kontakt mit einem Virus vorbereiten. Bei der Krebsimpfung geht es hingegen darum, nach einer bereits behandelten Krebserkrankung möglicherweise verbliebene Krebszellen aufzuspüren.
Therapie wird individuell auf Patienten zugeschnitten
Krebszellen tragen genetische Veränderungen in sich, die von Patient zu Patient unterschiedlich sind. Diese Besonderheiten können Forscher nutzen, um für jede erkrankte Person eine eigene mRNA-Therapie herzustellen.
Dazu wird nach der operativen Entfernung des Tumors untersucht, welche besonderen Veränderungen die Krebszellen des Betroffenen haben. Auf Grundlage dieser Information wird im Labor eine persönlich zugeschnittene mRNA hergestellt. Sie enthält gewissermaßen eine Anleitung, die dem Immunsystem zeigt: So sehen die Krebszellen aus.
Ähnlich wie viele klassische Impfungen wird der mRNA-Impfstoff als Spritze in einen Muskel gegeben. Das Immunsystem des Behandelten soll dann mögliche Krebszellen, die trotz Operation noch im Körper geblieben sind, leichter erkennen und gezielter angreifen.
Was hat die aktuelle Studie gezeigt?
In der Phase-3-Studie soll geklärt werden, ob die neue personalisierte mRNA-Therapie die bisherige Behandlung nach einer Melanom-Operation verbessern kann.
In der Studie wurden 1.137 Patienten untersucht, deren Tumor zuvor vollständig operativ entfernt worden war. Die Forscher teilten sie zufällig in zwei Gruppen ein: Rund zwei Drittel erhielten zusätzlich zur Standardtherapie mit Pembrolizumab die neue mRNA-Behandlung, die übrigen nur Pembrolizumab.













