November 7, 2026 3:15 a.m. CET

Geschichte

Merkels Appell beim „Ermutiger“ Biermann

Aktualisiert am 07.11.2026 – 01:52 UhrLesedauer: 4 Min.

Biermann sagt über Merkel: „Wenn Leute über sie schimpfen, dann verteidige ich sie.“ (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-bilder)

Vor 50 Jahren wurde der Liedermacher Wolf Biermann nach einem Auftritt im Westen von der DDR des Landes verwiesen. Die Ex-Kanzlerin spricht zum Jahrestag nicht nur darüber, wie sie das Konzert sah.

Es geht um ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der DDR – die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976. Aber am Ende kommt Angela Merkel auf die Gegenwart im Herbst 2026 zu sprechen. „Wir als Bürger müssen wieder laut und entschieden für diesen Staat eintreten“, sagt die Ex-Kanzlerin von der CDU – und fügt hinzu: „Es ist ein Kampf für etwas, für das man glücklicherweise nicht verfolgt wird. Aber damit man nicht eines Tages verfolgt wird, muss man sich heute für die Werte unseres Staates engagieren.“

Die ehemalige Regierungschefin ist ins Kino International in Berlin gekommen, zu einer Veranstaltung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Biermann, der am 15. November 90 Jahre alt wird, sitzt in der ersten Reihe neben ihr. „Festival des kritischen Geistes“ steht groß an der Leinwand – und etwas kleiner darüber: „50 Jahre Biermann-Ausbürgerung“. Merkel, die in der DDR aufwuchs und damals 22 Jahre alt war, hält eine Art Festrede. Sie nutzt sie für einige persönliche Anmerkungen, aber auch für einen Appell.

„Die Demokratie braucht uns“

„Unser Land ist geeint, aber doch aufgeregt und zerrissen“, sagt die Kanzlerin außer Dienst. „Wir ahnen, dass die Demokratie verletzlicher ist, als wir dachten, dass sie mehr braucht als nur freie Wahlen. Sie braucht uns, die Bürger, die in einer Demokratie leben wollen.“ Merkel spricht von einem Auftrag an alle, sich aktiv zu diesem freiheitlichen Staat zu bekennen – also etwa zur Würde jedes Menschen, zur Meinungsfreiheit und auch zum Schutz von Minderheiten.

Merkels Appell: „Die Demokratie braucht uns Bürger.“ (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-bilder)

„Insofern brauchen wir auch heute Ermutigung, wenn auch unter ganz anderen Umständen“, sagt Merkel und spannt den Bogen zum Anlass des Abends. „Wolf Biermann ist uns auch deshalb so nah, weil seine Lieder solche Ermutigungen zum Handeln sind.“

Vor ihrer Rede hat Biermann mit seiner Gitarre einige Lieder gesungen – in seiner unnachahmlichen Art, wie Merkel sagt. „Er fleht und er klagt an und immer voller Leidenschaft. Und damit füllt er die Räume, er beflügelt die Fantasie, und wenn alles gut läuft, dann macht er sogar Mut.“

Merkel sah Konzert im Westfernsehen

Merkel beschreibt in ihrer Würdigung die Lebensstationen Biermanns, der als 16-Jähriger von Hamburg in die DDR übersiedelte und den Kommunismus mit aufbauen wollte. Schnell geriet er aber mit kritischen Liedern und Gedichten in Konflikt mit der regierenden Einheitspartei SED und bekam ein jahrelanges Auftrittsverbot. Nach einem Konzert in Köln am 13. November 1976 durfte er nicht in die DDR zurückkehren, seine Staatsbürgerschaft wurde ihm aberkannt. Das löste Protest- und Solidaritätsaktionen in der Kulturszene der DDR aus.

Aktie.
Die mobile Version verlassen