November 6, 2026 8:48 a.m. CET

Umfrage

Nicht mal jeder Zweite will für Reformen verzichten


Aktualisiert am 06.11.2026 – 08:25 UhrLesedauer: 2 Min.

Damit die sozialen Sicherungssysteme auch in Zukunft noch funktionieren, wären viele Menschen in Deutschland bereit, vorübergehend persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen. (Symbolbild) (Quelle: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa/dpa-bilder)

Acht von zehn Menschen in Deutschland halten politische Reformen für nötig. Doch nur 41 Prozent würden dafür persönliche Nachteile in Kauf nehmen.

83 Prozent der Erwachsenen in Deutschland halten umfassende politische Veränderungen für notwendig, doch nur 41 Prozent wären bereit, für grundlegende Sozialreformen vorübergehend persönliche Nachteile hinzunehmen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) hervor, für die 5.000 Menschen befragt wurden.

Wie groß die Bereitschaft zu persönlichen Abstrichen ist, hängt stark vom Alter ab. Am höchsten ist sie bei den 30- bis 39-Jährigen: 56 Prozent dieser Gruppe würden vorübergehende Nachteile akzeptieren. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 46 Prozent. Am zurückhaltendsten zeigen sich die 40- bis 49-Jährigen, von denen nur 24 Prozent zu kurzfristigen Einschnitten bereit wären.

Die meisten wünschen sich weniger Bürokratie

Beim Blick auf die konkreten Reformwünsche steht der Abbau von Bürokratie ganz oben: 44 Prozent der Befragten nennen ihn als wichtigstes Anliegen. Jeweils rund ein Drittel wünscht sich einen effizienteren Einsatz staatlicher Mittel (36 Prozent) sowie Sozialsysteme, die sich langfristig finanzieren lassen (35 Prozent). 32 Prozent fordern, dass die Bundesregierung Strom wieder bezahlbarer macht.

ZVEI-Präsident Daniel Hager kommentierte die Ergebnisse mit den Worten: „Die Menschen in Deutschland wollen Veränderung, weil sie merken, dass es zu wenig ist, den eigenen Status quo zu erhalten, während die Welt um uns herum immer mehr Fahrt aufnimmt.“ Und weiter: „Die Bürgerinnen und Bürger wollen keine Strohfeuer. Sie wollen strukturelle Verbesserungen und verlässliche Entlastungen.“

Regierung arbeitet an mehreren Reformen

Die schwarz-rote Bundesregierung hat für den Herbst 2026 eine Reihe großer Reformen angekündigt. Im Mittelpunkt steht das Programm „Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung“, das die Koalition im Juli vorgestellt hat. Es umfasst 34 Maßnahmen, von denen viele ab dem 1. Januar 2027 gelten sollen. Mit der Einkommensteuerreform sollen geringe und mittlere Einkommen um insgesamt rund zehn Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden, unter anderem durch höhere Grund- und Kinderfreibeträge, mehr Kindergeld und einen höheren Arbeitnehmerpauschbetrag. Finanziert werden soll das vor allem über eine verschärfte Reichensteuer.

Bis Ende des Jahres will die Koalition außerdem ein Rentenpaket vorlegen. Es setzt einen Teil der Vorschläge der Rentenkommission um, etwa die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Auf dem Arbeitsmarkt soll die telefonische Krankschreibung wegfallen, nachdem das Bürgergeld bereits im Juli durch eine neue Grundsicherung ersetzt wurde. Hinzu kommen ein Abbau staatlicher Berichtspflichten sowie kleinere Vorhaben wie eine Führerscheinreform, über die der Bundestag am 5. November abgestimmt hat.

Innerhalb der Koalition wird jedoch weiter verhandelt, vor allem über die Rente, die Steuerreform und die Zukunft der Minijobs. Viele Details können sich daher im parlamentarischen Verfahren noch ändern.

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