Rückenwind für Bürgerversicherung
Deutliche Mehrheit will private Krankenkassen abschaffen
09.09.2025 – 14:18 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Deutschen wünschen sich eine radikale Reform der Krankenversicherung. Statt zwei verschiedener Systeme soll es nach dem Willen der Bürger ein einheitliches geben.
Sie bekommen schnellere Termine, haben kürzere Wartezeiten und stellen sicher, dass Ärzte für ihre Leistungen besser bezahlt werden: die Privatversicherten in Deutschland. Rund zehn Prozent der Bundesbürger haben eine private Krankenversicherung, die übrigen 90 Prozent sind bei einer der gesetzlichen Krankenkassen versichert. Seit Jahren klagen diese Krankenkassen jedoch über Finanzierungslücken. Einem neuen Bericht des Bundesrechnungshofs zufolge fehlen jährlich sechs bis acht Milliarden Euro.
Um weitere Beitragserhöhungen zu verhindern, will die Bundesregierung eine Reform auf den Weg bringen. Im Herbst wird dazu eine Expertenkommission eingesetzt, die 2026 dann Vorschläge vorlegen soll. Ein Bürgerparlament hat derweil eigene Vorschläge für Sozial- und Steuerreformen erarbeitet. Am Montag wurden diese der Öffentlichkeit vorgestellt. So würden 74,4 Prozent der Deutschen die komplette Abschaffung der privaten Krankenversicherung befürworten, stattdessen sollte es nur eine für alle einheitliche Krankenkasse geben.
Ein ähnliches Ergebnis konnte die t-online-Redaktion in einer eigenen Umfrage reproduzieren (Stand 9. September, 12 Uhr): Von den über 11.500 Personen, die an der Befragung teilgenommen haben, befürworten 68,5 Prozent die Abschaffung der privaten Krankenversicherung.
Die meisten (53 Prozent) würden eine vereinheitlichte Bürgerversicherung befürworten. Allerdings stimmten 15 Prozent dafür, die Vielfalt der gesetzlichen Krankenkassen beizubehalten. 29,4 Prozent möchten die private Krankenversicherung abschaffen.
Politisch ist die Idee nichts Neues: Schon seit vielen Jahren steht die Einführung der Bürgerversicherung in den Wahlprogrammen von SPD, Grünen und Linken. Gegen diese Idee sind Union, AfD und FDP. Daher ist es auch unwahrscheinlich, dass eine solche Reform in der aktuellen Regierungskoalition Anklang findet.
Es ist auch umstritten, ob die Zusammenlegung der beiden Systeme eher helfen oder schaden würde. Befürworter der Bürgerversicherung weisen darauf hin, dass Ärzte, die heute nur Privatpatienten behandeln, durch die Abschaffung des Zweiklassensystems für mehr gesetzlich Versicherte zur Verfügung stünden, was die Versorgung verbessern könnte. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat außerdem ergeben, dass der Beitragssatz durch die Zusammenlegung im Schnitt um 0,2 Prozent sinken könnte. Das wäre auch für die Wirtschaft eine positive Entwicklung.
Kritiker jedoch warnen, dass die 65.000 Menschen, die für die Privatversicherung arbeiten, ohne Arbeit dastünden. Zudem gibt es verfassungsrechtliche Bedenken für jene, die seit vielen Jahren in die Privatkassen einzahlen. Diese Menschen könnten Anspruch auf Rückzahlung von Teilen ihrer Beiträge haben. Kritiker der Bürgerversicherung sehen zudem die Gefahr, dass durch den fehlenden Wettbewerb in den Krankenkassen das deutsche Gesundheitssystem an Innovationskraft verlieren könnte.















