Dahlmeier hatte als Extremsportlerin alles für den Fall der Fälle vorbereitet, ihr Testament gemacht, die Beerdigung geplant. Über einen möglichen Tod auf den teils hochgefährlichen Bergtouren reden die Freundinnen dennoch nie. „Auch wenn es bei dem, was sie tat, eigentlich naheliegend gewesen wäre“, sagt Hammerschmidt.
Hammerschmidts viele offene Fragen
Nach der Trauerfreier am 11. August wird sie krank, Körper und Psyche streiken als Reaktion auf das schier Unfassbare. Dazu kommen Gedanken, zu viele Sachen im Sog des Alltags aufgeschoben zu haben. „Das hat mich sehr beschäftigt. Dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, uns öfter zu sehen“, erzählt Hammerschmidt. „Ich bereue, was ich alles nicht mit ihr gemacht habe. Gespräche, die ich gerne noch geführt hätte, Fragen, die ich noch hatte.“
Aufschieben will sie nun nicht mehr so viel. Es klappt nicht immer. „Aber ich habe es des Öfteren im Kopf und wenn ich Sachen mache, die außerhalb meiner Komfortzone liegen, denke ich tatsächlich oft: Das hätte Laura gefallen.“
Die enge Freundschaft beginnt im Dezember 2015 beim Weltcup in Hochfilzen. Sie werden zufällig Zimmerkolleginnen, weil „wir quasi übrig geblieben sind“, erinnert sich die heute 36-Jährige. „Wir haben viel gelacht, uns fast jeden Tag gefoppt, hatten einfach unheimlich viel Spaß zusammen.“
Laura Dahlmeier, der Star
Die knapp vier Jahre jüngere Dahlmeier wird der alles überragende Star des Teams. „Das hat sie aber nie raushängen lassen, das habe ich an ihr immer sehr geschätzt. Sie war einfach die Beste.“ Auch über die ernsten Seiten des Lebens reden sie. „Laura stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich sie natürlich auch egoistisch ihre Ziele verfolgt hat.“
Von Dahlmeier, die dem Buddhismus sehr zugeneigt ist und wie ihre Mutter spirituell, übernimmt Hammerschmidt ein Ritual, bis heute. „Laura ist immer mit einem Palo Santo («heiliges Holz») gereist“, erinnert sich Hammerschmidt. „Und manchmal hat sie bei uns im Zimmer auch weißen Salbei angezündet, um die schlechten Geister zu vertreiben.“ Zündet sie jetzt ein Palo Santo an, erinnert sie der Geruch an ihre Freundin. Dahlmeier, mit der sie unter anderem WM-Staffel-Gold gewinnt, habe „an diesen inneren Frieden geglaubt“ und „sich dafür Zeit genommen“.
