August 9, 2026 2:54 p.m. CEST

„M1llion“-Demo in Sachsen

Die Trommler des neuen Widerstands


Aktualisiert am 09.08.2026 – 10:55 UhrLesedauer: 9 Min.

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Protest gegen die Bundesregierung in Schwarz-Rot-Gold: Nach einer Demo in Berlin lud das Projekt „M1llion“ nach Sachsen ein. (Quelle: Sebastian Willnow/dpa)

Das noch junge Projekt „M1llion“ mobilisiert am Samstag rund 10.000 Teilnehmer zu einer Demonstration im sächsischen Plauen. Darunter viele Corona-Demonstranten, Friedensaktivisten und Rechtsextremisten. Ihr Ziel: Die Regierung soll zurücktreten.

Der Mann im blauen T-Shirt ist misstrauisch, wenn es um Presse geht. Er zieht an einer Zigarette, mustert die Reporterin. Doch die Frage, warum er heute hier ist, beantwortet der 49-Jährige trotzdem. „Gegen die Merz-Regierung“, sagt er. Früher sei er Soldat gewesen, stationiert im Kosovo und in Afghanistan. „Ich kann die Scheiß-Kriegstreiberei nicht mehr ertragen.“

Der Mann ist aus Hildesheim angereist. Gestern schon sei er sechs Stunden lang mit der Bahn gefahren. Ob nicht Solidarität mit der Ukraine zur Verteidigung Europas notwendig sei? Er lacht. Es klingt bitter. „Der Russe wird uns nicht angreifen“, sagt er. „Hier ist doch gar nichts mehr zu holen.“

Hinter ihm drängen sich mehrere Tausend Menschen in der knallenden Sonne, die es ähnlich sehen: Dass die Bundesrepublik am Ende ist und es so nicht weitergeht. „Merz muss weg!“, „Neuwahlen“, „DDR 2.0“ steht auf ihren Schildern. Oder: „Macht Frieden!“, „Rentensicherheit!“, „Omas gegen Unrecht“. Sie schwenken Deutschlandfahnen in allen möglichen Größen, tragen Deutschland-Hüte, Deutschland-Blumenketten. Manche sind von Kopf bis Fuß in Schwarz-Rot-Gold gekleidet.

Es ist das erste Mal, dass die noch junge Protestreihe „M1llion“ ins sächsische Plauen einlädt. Den Ort, an dem 1989 die erste Großdemonstration gegen das DDR-Regime stattfand. „M1llion“ übt hier heute Kritik, kanalisiert breit Frust und formt Widerstand. Ihre wichtigste Forderung: der Rücktritt der Merz-Regierung.

Veranstaltet wird „M1llion“ von einem Team um den Rettungssanitäter Marcel Baldauf. Parteipolitische Fahnen sollen hier eigentlich nicht auftauchen, darum haben die Organisatoren vorab gebeten. Parteipolitisch neutral wollen sie auftreten, versichern sie. Doch es wird anders laufen, auf der Bühne wie im Publikum.

Marcel Baldauf auf der Bühne in Plauen: Er tritt als Kopf von „M1llion“ auf. (Quelle: Leister )

„Die Regierung muss weg!“

Die meisten Redner und Sänger auf der Bühne werden nur mit Vornamen vorgestellt. Für das Publikum ist so nicht nachvollziehbar, welchen Hintergrund sie haben. Die lange und am stärksten beachtete Auftaktrede, noch vor Initiator Baldauf, hält ein Mann, der sich als Dirk vorstellt. „Wir erleben eine Politik, die Bürger für unmündig erklären will“, ruft er. Die das Volk „für dumm“ verkaufe. Auf dem „Müllhaufen der Geschichte“ werde dieses „Kartell“ landen. „Diese Regierung muss weg!“ Jubel, Klatschen, Pfeifen, lautes Trommeln.

AfD und BSW seien die einzigen Parteien, die Kritik an der Migrations- und der Ukraine-Politik äußerten, sagt Dirk. „Das sind keine Parteiprogramme, die ich hier verkaufen will“, behauptet er. Das seien bloß „Beobachtungen“, die er hier teile. Seine Rede beendet er mit einer Aufforderung zum Chorus an das Publikum: „Ich rufe jetzt etwas und ihr antwortet ganz lieb und brav: Wir sind das Volk!“

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