August 9, 2026 3:47 p.m. CEST

„Neue Geliebte“ und andere

Drei Eis-Engel für Putin


Aktualisiert am 09.08.2026 – 14:16 UhrLesedauer: 4 Min.

Kamilla Walijewa bei einem Wettbewerb in Moskau, den die Ehefrau des Kreml-Sprechers Dmitri Peskow ausrichtet: In Russland hat Walijewa den Spitznamen "Wladimir Putins neue Geliebte".

Kamilla Walijewa bei einem Wettbewerb, den die Ehefrau des Kreml-Sprechers Dmitri Peskow ausrichtet: In Russland hat sie den Spitznamen „Putins neue Geliebte“. (Quelle: Vladimir Astapkovich/imago)

Sie machen Werbung für Wladimir Putins Gesetze, propagieren sein orthodoxes Frauenbild und legen Eide auf Russlands Armee ab: Dennoch dürfen diese Sportler wieder auf die internationale Bühne – als vermeintlich neutrale Athleten.

Als Russland im Februar 2022 die Ukraine angriff, reagierte die internationale Sportwelt entsetzt. Im März 2022 wurden russische Sportler von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Sie sollten keine Möglichkeit haben, für Wladimir Putins Reich und Krieg Propaganda zu machen.

Mehr als vier Jahre später tobt der Krieg in der Ukraine immer noch. Jeden Tag bringen russische Raketen den Tod. Doch internationale Sportverbände scheint das blutige Geschehen nicht mehr zu entsetzen. Einer nach dem anderen lässt wieder russische Sportler zu. Zuletzt erlaubte das Exekutivkomitee des Internationalen Turnerbundes (World Gymnastics) russischen Sportlern die Teilnahme an Wettbewerben und öffnete damit vor allem Schützlingen von Alina Kabajewa, der Geliebten von Wladimir Putin, Tür und Tor. Sie dürfen gar unter russischer Nationalflagge und mit Nationalhymne auftreten.

Die Internationale Eislaufunion (ISU) geht nicht ganz so weit. Aber auch sie begrüßt Russlands Sportler jetzt wieder in ihren Wettbewerben. Ab der Saison 2026/27 dürfen russische und belarussische Sportler unter neutralem Status an internationalen Wettbewerben des Verbands teilnehmen.

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Neutraler Status für mehr als 50 Sportler aus Russland

Über jeden Antrag werde einzeln entschieden, versichert die ISU. Die Voraussetzung für die Zulassung: Die Sportler dürfen nicht in den Streitkräften oder Sicherheitsorganen Russlands oder Belarus‘ dienen. Auch dürfen sie seit Februar 2022 nicht aktiv an Handlungen gegen die Ukraine beteiligt gewesen sein oder nach diesem Zeitpunkt öffentlich die Position Russlands unterstützt haben. Die ISU erklärte, eine Teilnahme sei nur möglich, wenn keine Belege für einen Verstoß gegen diese Regeln gefunden werden.

Mehr als 50 russische Sportler sind inzwischen zugelassen worden – unter ihnen auch jene, die in den letzten vier Jahren fleißig für Putins Regime Propaganda betrieben haben.

In Russland wird sie als „Putins neue Geliebte“ bezeichnet

Der berühmteste Name ist der von Kamilla Walijewa. Mit 15 Jahren schrieb sie Geschichte – auch wenn die nur wenige Tage Bestand hatte. Als erste Eiskunstläuferin zeigte sie zwei Vierfachsprünge in ihrem Programm. Eine Sensation bei den Olympischen Spielen in Peking 2022. Nach dieser Leistung galt Walijewa als Jahrhunderttalent. Doch der Sturz der Eisprinzessin folgte noch schneller als ihr Aufstieg. Wenige Tage später schlitterte Walijewa ins Zentrum eines Dopingskandals. Der internationale Sportgerichtshof CAS sperrte Walijewa schließlich für vier Jahre.

Doch jetzt ist die Sperre abgelaufen. Und die gefallene Eisprinzessin will auf ihre Bühne zurück. Und sie darf. Die ISU sprach ihr einen neutralen Status zu – trotz ihrer offenen Unterstützung für das Regime von Wladimir Putin. In den vergangenen vier Jahren nahm sie an zahlreichen Propagandaveranstaltungen teil, befürwortete Gesetze zur Verfolgung von Oppositionellen und Kriegsgegnern, ließ sich von Putin Medaillen verleihen.

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