„Geistlicher Operationsplan“
Kirchen in Deutschland wappnen sich für den Ernstfall
12.10.2026 – 16:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Die hierzulande geführten Diskussionen um Kriegstüchtigkeit und Verteidigungsbereitschaft machen auch vor den Kirchen nicht halt. Katholische und evangelische Kirche beraten darüber, welche Rolle sie im Ernstfall spielen könnten.
Für Deutschland und Europa hat sich die sicherheitspolitische Lage in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Russlands Invasion in der Ukraine und die nuklearen Drohungen von Kremlchef Putin stehen für einen deutlichen Bruch mit der europäischen Sicherheitsordnung. Auch ein russischer Angriff auf Nato-Gebiet scheint längst nicht mehr ausgeschlossen zu sein. Die Bundesregierung hat sich vor diesem Hintergrund entschieden, deutlich mehr Geld in die Bundeswehr zu investieren.
Doch beschränkt sich die viel zitierte Zeitenwende nicht auf den Aufbau militärischer Fähigkeiten. Dies beweisen etwa die intensivierten Bemühungen im Bereich des Zivilschutzes. Dass im Kriegsfall auch gesellschaftlichen Akteuren eine wichtige Rolle zufiele, ist ebenso klar. Dies gilt namentlich für die katholische und die evangelische Kirche. Trotz deutlichen Rückgangs in den vergangenen Jahren hatten beide Kirchen Ende 2025 noch mehr als 36 Millionen Mitglieder.
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2024 starteten beide Kirchen einen Arbeitsprozess, um den Umgang mit der veränderten Sicherheitslage zu klären. Ein erstes Ergebnis wurde im März dieses Jahres veröffentlicht. Beim „Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis-und Verteidigungsfall“ handelt es sich um ein Arbeitspapier, das die Grundlage für weitere Diskussionen bieten soll.
Seelsorge im Fokus
Mit ihrem Konzept orientieren sich die Kirchen am „Operationsplan Deutschland“ des Bundesverteidigungsministeriums. Dessen Planungen gehen davon aus, dass Deutschland im Nato-Bündnisfall eine wichtige Logistikdrehscheibe wäre und Transporte von Verwundeten und Gefallenen ebenso zu erwarten wären wie große Fluchtbewegungen.
Konkret rechnen die Kirchen in diesem Fall mit einem deutlich erhöhten Bedarf an Militärseelsorge und Seelsorge in Krankenhäusern. Hinzu kämen weitere Aufgaben und Herausforderungen, etwa bei Beisetzungen, bei der seelsorgerischen Begleitung von Gefangenen sowie beim Überbringen von Todesnachrichten. Darüber hinaus sei mit einer großen Zahl traumatisierter Heimkehrer zu rechnen.
„Für die Zivilbevölkerung werden besondere Gottesdienste und Veranstaltungen angeboten, die sich mit der Situation im Spannungs-, Bündnis- oder Verteidigungsfall auseinandersetzen“, heißt es außerdem in dem Papier: „Diese greifen Aspekte von Friedensarbeit auf und fokussieren auf das Leid der Schöpfung und die Fürbitte für die Gemeinschaft und die Soldatinnen und Soldaten.“ Neben einem möglichen Verteidigungsfall nimmt das Konzept noch weitere Krisenszenarien in den Blick, darunter Großschadenslagen und Katastrophen.
Umsetzung vor Ort
Zu den Autoren des Papiers gehört der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg. Er hat sich wiederholt dafür ausgesprochen, sich vor allem im Bereich der Seelsorge auf den Ernstfall vorzubereiten. Analog zum Operationsplan der Bundeswehr bezeichnete er das Konzept beider Kirchen schon während seines Entstehens als „geistlichen Operationsplan“.














