Anwendungsfehler möglich
In diesem Test schneidet Ibuprofen schlecht ab
30.08.2026 – 16:03 UhrLesedauer: 3 Min.
Lange Wörter, komplizierte Sätze: Manche Beipackzettel sind alles andere als leicht verständlich. Eine Analyse zeigt, bei welchen häufig verschriebenen Medikamenten das besonders auffällt.
Packungsbeilagen sollen Patienten wichtige Informationen zu ihren Medikamenten liefern, etwa zum Zeitpunkt der Einnahme oder möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Doch viele Texte sind sprachlich anspruchsvoll. Das zeigt eine Analyse der Versandapotheke mycare.de.
Untersucht wurden die Beipackzettel der 50 am häufigsten verschriebenen Medikamente in Deutschland. Als Maßstab diente der sogenannte Lesbarkeitsindex (LIX). Er berücksichtigt die Länge der Sätze und den Anteil langer Wörter mit mehr als sechs Buchstaben. Je höher der Wert, desto schwerer lässt sich ein Text lesen.
Viele Beipackzettel sind schwer verständlich
Im Durchschnitt erreichen die untersuchten Packungsbeilagen einen LIX-Wert von 56,12. Damit bewegen sie sich laut Analyse auf dem Niveau anspruchsvoller Sachliteratur.
Zwölf Prozent erreichen sogar einen Wert von mehr als 60 und gelten damit als „sehr schwer verständlich“. Nur vier Prozent liegen im mittleren Bereich. Einen leicht verständlichen Beipackzettel fand die Untersuchung nicht.
Martin Schulze, Apotheker und Leiter der pharmazeutischen Kundenberatung bei mycare.de, sagt: „Die Zahlen zeigen: Es gibt nach wie vor sehr viele Medikamente, deren Beipackzettel für große Teile der Bevölkerung praktisch unverständlich sind.“
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Ibuprofen landet fast an der Spitze
Am schwersten verständlich ist laut Analyse die Packungsbeilage eines Gerinnungshemmers zur Prävention von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern. Solche Medikamente hemmen die Blutgerinnung und sollen dadurch gefährlichen Blutgerinnseln vorbeugen. Der Beipackzettel erreicht einen LIX-Wert von 63,2.
Direkt dahinter folgt ein Schmerzmittel auf Ibuprofen-Basis mit einem Wert von 62,8. Auch dieser Beipackzettel gilt damit als „sehr schwer verständlich“.
Auf Platz drei folgt ein Medikament gegen Typ-2-Diabetes mit einem LIX-Wert von 62,1. Ein Betablocker zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erreicht ebenfalls 62,1 und landet auf Platz vier. Platz fünf belegt ein Blutdrucksenker mit 61,6.
Nur zwei Beipackzettel schneiden deutlich besser ab
Vergleichsweise verständlich formuliert ist die Packungsbeilage eines Cholesterinsenkers. Sie erreicht einen LIX-Wert von 40,9 und umfasst 2.984 Wörter.
Ein Schilddrüsenhormonpräparat kommt mit 3.425 Wörtern auf einen Wert von 44,1. Nur diese beiden Beipackzettel erreichen unter den 50 untersuchten Medikamenten überhaupt die Kategorie „mittelschwer lesbar“.
Besonders für ältere Menschen, Menschen mit geringeren Deutschkenntnissen oder eingeschränkter Lesekompetenz können komplizierte Formulierungen laut Schulze einen großen Unterschied machen.
Manche Beipackzettel haben mehr als 14.000 Wörter
Auch beim Umfang zeigen sich enorme Unterschiede. Im Durchschnitt enthalten die untersuchten Beipackzettel 3.267 Wörter. Der Gerinnungshemmer mit dem höchsten LIX-Wert führt auch hier die Liste an: Seine Packungsbeilage umfasst 14.333 Wörter. Beim Diabetes-Medikament sind es 13.608 Wörter.
Die kürzesten untersuchten Texte kommen dagegen auf weniger als 1.900 Wörter. Dazu zählen die Beipackzettel eines Kalziumantagonisten gegen Bluthochdruck mit 1.646 Wörtern und eines harntreibenden Medikaments mit 1.695 Wörtern.
Experte fordert verständliche Zusammenfassung
Schulze sieht Verbesserungsbedarf. Zwar schreibe das Arzneimittelgesetz den Aufbau der Gebrauchsanweisung streng vor und verlange eine allgemein verständliche Darstellung. Bei den Anforderungen an die Verständlichkeit sollte der Gesetzgeber nach Ansicht des Apothekers jedoch nachbessern.














