Adressen nach Hackerangriff online
Wieder Daten bei „Nius“ weg: Reichelt greift „Correctiv“ an
Aktualisiert am 09.10.2026 – 10:32 UhrLesedauer: 7 Min.

Zum wiederholten Mal gelangten Hacker an Daten von „Nius“. Monate später meldet das rechtspopulistische Nachrichten-Portal den Vorfall der Aufsichtsbehörde – und attackiert ein anderes Medium.
Von Tausenden Kunden des rechtspopulistischen Nachrichtenportals „Nius“ sind erneut Daten abgeflossen und im Netz gelandet. Mehrere Datensätze stehen im Darknet. Sie enthalten die Namen, E-Mail-Adressen und zum Teil auch die Anschriften und Bank- oder Kreditkartendaten von aktuellen und früheren Abonnenten des Portals. Dazu kommen fast 100.000 E-Mail-Adressen von registrierten Nutzern.
„Nius“ selbst berichtete am Mittwoch von einem „Hackerangriff aus dem Mai“. Der Vorfall beschäftige das Portal „seit Monaten“, sagte Julian Reichelt in einem Video-Beitrag. Der frühere „Bild“-Chef ist Chefredakteur bei „Nius“ und leitet als einer von zwei geschäftsführenden Direktoren der Vius Management SE im Firmenkonstrukt die Betreibergesellschaft.
Reichelt ging allerdings erst jetzt an die Öffentlichkeit, weil das Recherchenetzwerk „Correctiv“ plante, über das Datenleck zu berichten. „Correctiv“ hatte dazu recherchiert und „Nius“ vor der Veröffentlichung mit Details konfrontiert, um dem Portal gemäß der journalistischen Sorgfaltspflicht Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Reichelt griff daraufhin „Correctiv“ scharf an, nicht früher gewarnt zu haben. Er warf den Journalisten vor, illegal erlangte Daten zu nutzen. Inzwischen hat „Correctiv“ seinen Beitrag veröffentlicht.*
Daten gefährden Redaktionsgeheimnis
Die „Correctiv“-Fragen zielten laut Reichelt auf Daten, die Aufschluss über die Entstehung und Entwicklung von Artikeln geben. Der Datensatz enthält offenbar eine Datei, die eine Historie von Artikeln des Portals zeigt. Für das Redaktionsgeheimnis könnte das gravierend sein. Redaktionen legen darauf großen Wert, weil es auch Quellen schützt. Bei dem Portal könnten die Nerven aber noch aus einem anderen Grund blank liegen: Es war nicht das erste Mal, dass Daten von „Nius“ gehackt wurden. Deshalb stellt sich die Frage, ob das defizitäre Portal an IT-Sicherheit spart.
Durch die „tiefgehende Anfrage“ von „Correctiv“ habe man am Montag um die Mittagszeit erfahren, dass „Datensätze aus dem Redaktionssystem erstellt“ worden und in unbefugte Hände gelangt seien: So teilte es eine Anwältin t-online im Namen von Vius mit. Man habe deshalb am Dienstag die erforderliche Meldung bei der Berliner Datenschutzbehörde abgegeben. Die Behörde bestätigte den Eingang auf Anfrage. Es ist die dritte bekannt gewordene Selbstanzeige des Portals seit Juli 2025. Gegenüber „Correctiv“ bestätigte die Behörde, dass es sogar vier Meldungen gab.*
Wenn für Betroffene eines Datenlecks ein Risiko besteht, muss der Fall innerhalb von 72 Stunden nach Bekanntwerden der Aufsichtsbehörde mitgeteilt werden. Die Anwältin ging nicht auf die Frage von t-online ein, was in den Monaten passiert war, in denen der Vorfall Reichelts Aussage im Video zufolge das Portal bereits beschäftigt hatte.
Der aktuelle Datensatz erfasst offenbar Kunden mit aktiven und gekündigten Abonnements bei dem Portal. Irritierend ist, dass Abonnenten, die über Bankeinzug zahlen, laut den Daten einer Gesellschaft namens „Nius Media GmbH“ eine Einzugsermächtigung erteilen sollten. Diese Gesellschaft gibt es nicht. Insgesamt sind dort mehr als 10.000 Kunden mit laufenden Abos in verschiedenen Stufen verzeichnet: Zugänge zu Preisen zwischen 3,99 Euro für 7 Tage und 199 Euro für ein Jahresabo ohne Werbung.
