Trägt der Zirkus eine Mitschuld?
Artistin stürzt in den Tod – jetzt äußert sich ihre Mutter
30.09.2025 – 18:56 UhrLesedauer: 2 Min.
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Nach dem tödlichen Sturz einer Artistin suchen Ermittler nach der Ursache. Derweil nennt die Mutter der Toten mögliche Gründe für den tragischen Unfall.
Vor den Augen der Zuschauerinnen und Zuschauer ereignete sich am vergangenen Samstag in Bautzen eine Tragödie: Eine spanische Artistin stürzte während einer Zirkusvorstellung des Circus Paul Busch in Bautzen fünf Meter tief in den Tod. Die 27-Jährige starb noch an der Unfallstelle.
Die Behörden nahmen anschließend die Ermittlungen auf, um die Ursache herauszufinden. Nach wie vor sei davon auszugehen, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt habe, Hinweise auf Fremdverschulden oder eine Straftat gebe es nicht, betonte der Polizeisprecher. Es stünden aber noch die Ermittlungen der Kriminaltechniker und die Auswertung der Zeugenvernehmungen an. Zudem sei die Obduktion der Leiche angeordnet worden.
Die Mutter der Verstorbenen sieht derweil bei dem Zirkus eine Mitschuld. Das sagte sie in der Sendung „Y Ahora Sonsoles“ des spanischen Senders antena3. „Es war ein Unfall, der auf Ablenkung, Erschöpfung und Stress zurückzuführen ist.“ Ihre Tochter sei verantwortungsbewusst gewesen, habe aber hart arbeiten müssen, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Auch der Zirkus habe ein hohes Arbeitspensum gefordert, die Akrobatin habe mehrere Shows allein abdecken müssen. Doch „das Erste, was der Zirkus einem sagt“, ist, dass ihre Tochter die Arbeitsbedingungen „akzeptiert hat“, so ihre Mutter.
Als es am Wochenende zu dem tödlichen Zwischenfall in der Manege kam, hing die 27-jährige Artistin gerade kopfüber am Trapez. Dann stürzte sie ab. Sie sei wohl direkt auf den Kopf gefallen, so ein Polizeisprecher. Ein Hindernis oder eine andere Person hätten sich während der Vorführung nicht in der Manege befunden.
Eine Augenzeugin berichtete, dass schnell klar war, dass der Artistin nach dem Sturz nicht zu helfen gewesen war. „Da war so viel Blut und auch eine schwere Verletzung an der Schläfe“, sagte eine Krankenschwester, die mit ihrer Enkelin die Vorstellung besucht hatte, einem dpa-Reporter. Sie habe der Sechsjährigen gesagt, sie solle auf ihrem Platz sitzen bleiben und in die andere Richtung schauen.
Ein Kriseninterventionsteam hatte sich am Wochenende um die Zirkusmitarbeiter und die Besucher, die den dramatischen Unfall mitangesehen hatten, gekümmert. Die entsprechende Hotline sei „heißgelaufen“, sagte der Polizeisprecher.
Nach Angaben des Landratsamtes hatten am Wochenende etwa 40 Menschen das Angebot der psychosozialen Notfallversorgung in Anspruch genommen. Das Team unterstützt Betroffene in der Akutphase bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse, wie eine Sprecherin sagte. Ziel sei es, die Betroffenen emotional zu stabilisieren, das soziale Umfeld – vor allem die Angehörigen – zu verständigen und weiterführende Hilfsangebote aufzuzeigen. So sollen langfristige seelische Schäden wie posttraumatische Belastungsstörungen vermieden werden.
Auch die Krankenschwester suchte mit ihrer Enkelin nach dem Unfall das Gespräch mit dem Kriseninterventionsteam. Sie habe in ihrem Beruf schon viel gesehen, auch Tote, aber dieser Anblick habe sie doch sehr mitgenommen, sagte sie.
