IW-Studie
Forscher warnen vor Teufelskreis im Osten
21.08.2026 – 10:18 UhrLesedauer: 3 Min.
Einer IW-Studie zufolge braucht Ostdeutschland Zuwanderung, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Besonders Dienstleistungen könnten leiden.
Den ostdeutschen Flächenländern droht einer Studie zufolge ohne Zuwanderung ein deutlicher Verlust an Arbeitskräften. Wie Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen, würde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter dort ohne Migration bis 2035 um mehr als ein Achtel sinken, bis 2045 sogar um gut ein Fünftel.
Die IW-Ökonomen Philipp Deschermeier und Wido Geis-Thöne warnen daher vor erheblichen Folgen für die Wirtschaft. „Damit dürfte sich die Situation der Wirtschaft, insbesondere auch bei der Versorgung mit Dienstleistungen, kaum erhalten lassen“, schreiben sie.
Nach den Berechnungen ist die demografische Entwicklung in Ostdeutschland bereits weit fortgeschritten. In den ostdeutschen Flächenländern sank die Zahl der Menschen im Alter zwischen 15 und 66 Jahren zwischen Ende 1995 und Ende 2025 von 10,05 Millionen auf 7,74 Millionen. Das entspricht einem Rückgang um 23 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Menschen ab 67 Jahren von 1,82 Millionen auf 3,06 Millionen. Der Anteil der Erwerbsfähigen an der Gesamtbevölkerung ging von 70,9 auf 62,7 Prozent zurück.
Zuwanderung bremst Rückgang ab
In den vergangenen Jahren hat Zuwanderung diese Entwicklung dem IW zufolge gemildert. Nach einer langen Phase der Abwanderung nach der Wiedervereinigung verzeichnen die ostdeutschen Länder seit 2012 wieder Wanderungsgewinne. Die Zahl der ausländischen Staatsbürger im erwerbsfähigen Alter stieg demnach von 265.000 im Jahr 2010 auf 765.000 Ende 2025. Ihr Anteil an der Bevölkerung zwischen 15 und 66 Jahren wuchs in dieser Zeit von 3,1 auf 9,9 Prozent.
Ohne weitere Migration würde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den ostdeutschen Flächenländern laut IW bereits bis 2035 um 13,0 Prozent auf 6,78 Millionen zurückgehen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung läge dann nur noch bei 59,7 Prozent. Bei einer aktuellen Erwerbstätigenquote von 75,9 Prozent wären rechnerisch nur noch 45,3 Prozent der Bevölkerung erwerbstätig.
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Diese Dienstleistungen wären besonders betroffen
Zwar könnten technischer Fortschritt und Künstliche Intelligenz künftig Tätigkeiten übernehmen, für die bislang menschliche Arbeitskräfte gebraucht werden, schreiben die IW-Forscher. Dennoch sei es für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Region problematisch, wenn deutlich weniger als die Hälfte der Bevölkerung am Arbeitsmarkt aktiv sei. Das gelte besonders für medizinische, pflegerische und handwerkliche Dienstleistungen, die sich nur schwer automatisieren ließen.













