Teure Energie, teure Rohstoffe
Toilettenpapierhersteller erneut insolvent
Aktualisiert am 02.11.2026 – 14:20 UhrLesedauer: 3 Min.
Der ehemalige Hakle-Hersteller Jung Papier hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre Insolvenz angemeldet. Die Produktion soll aber weiterlaufen.
Jung Papier, ein Hersteller von Toilettenpapier und Küchenrollen mit Sitz in Düsseldorf, steht erneut vor einer Sanierung. Laut einem Bericht der „Lebensmittel Zeitung“ (LZ) hat das Unternehmen Ende vergangener Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Die Branchenzeitung beruft sich auf ein Schreiben an Geschäftspartner, das von Inhaber Volker Jung unterzeichnet ist. Auf Anfrage der „LZ“ bestätigte das Unternehmen den Schritt.
Als Grund nennt Jung Papier die stetig steigenden Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal. Dadurch sei das Unternehmen einer „immer schwierigeren Marktsituation ausgesetzt“. Man habe zwar Gespräche mit internationalen Investoren begonnen, bislang aber ohne Erfolg. „Dies führt dazu, dass wir die identifizierten Sanierungsmaßnahmen nunmehr im Rahmen eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung umsetzen möchten“, heißt es in dem Schreiben.
Insolvenz bei Toilettenpapier-Hersteller: Löhne bis Ende Januar gesichert
Ziel sei es, das Unternehmen zu sanieren und dauerhaft weiterzuführen. Dafür wolle man die Gespräche mit potenziellen Investoren fortsetzen und „den Prozess für weitere Interessenten öffnen“. Der Geschäftsbetrieb laufe uneingeschränkt weiter, und der Betrieb sei auf absehbare Zeit durchfinanziert. Die Löhne und Gehälter der 155 Beschäftigten werden laut Unternehmen bis einschließlich Januar 2027 über das Insolvenzgeld vorfinanziert. Dieses Geld zahlt die Bundesagentur für Arbeit für bis zu drei Monate, wenn ein Arbeitgeber zahlungsunfähig ist.
- Dreilagig und aus Kaffee? Woraus das Klopapier der Zukunft besteht
Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung behält die bisherige Geschäftsführung die Kontrolle. Sie steht aber unter Aufsicht eines vom Gericht bestellten Sachwalters. Diese Aufgabe übernimmt vorläufig der Düsseldorfer Rechtsanwalt Christian Holzmann von der Kanzlei Brinkmann & Partner. Der Insolvenzexperte hat schon die Sanierungsverfahren der Schuhmarke Salamander und des Anlagenbauers Dücker als Sachwalter begleitet. Als Restrukturierungsexperte berät Marc Oberhardt von der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft RSM Ebner Stolz das Unternehmen.
Die Marke Hakle ist längst verkauft
Für Jung Papier ist es bereits die zweite Insolvenz. Im September 2022 hatte das Unternehmen, damals noch als Hakle GmbH, Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Schon damals stand Oberhardt der Geschäftsführung als Berater zur Seite.
Die Rettung gelang 2023 mit einem Verkauf. Der italienische Hygienepapierkonzern Sofidel übernahm die Gesellschaft, in der die Markenrechte gebündelt waren. Neben Hakle gehörten dazu auch Marken wie „Dick & Durstig“. Mit dem Erlös konnte das Werk in Düsseldorf-Reisholz unter neuem Namen und mit derselben Geschäftsführung weiterarbeiten. Bis Ende 2024 war der Standort mit Aufträgen von Sofidel ausgelastet. Damals arbeiteten dort rund 200 Menschen. Danach verlagerte Sofidel die Hakle-Produktion in eigene Werke.
Die Marke selbst hat eine lange Geschichte. Hakle brachte 1928 als erster Hersteller Toilettenpapier auf Rollen in Deutschland auf den Markt. 1977 folgte mit „Hakle Feucht“ das erste feuchte Toilettenpapier.
Umsatzziel verfehlt
Seit der Trennung von Hakle stellt Jung Papier vor allem Handelsmarken her, also Produkte, die Supermärkte und Drogerien unter eigenem Namen verkaufen. Das Sortiment reicht von Toilettenpapier über Küchenrollen und Taschentücher bis zu feuchtem Toilettenpapier. Außerdem verkauft das Unternehmen Mutterrollen, also große Papierrollen, die andere Firmen weiterverarbeiten. Daneben gibt es die eigene Marke „The Papermakers“. Sie taucht laut „LZ“ aber nur bei Aktionsangeboten im Handel auf und hat sich nicht in der Breite durchgesetzt.














