Schöpfer der Striezelmarkt-Pyramide
Weltrekord-Handwerksbetrieb ist insolvent
09.08.2026 – 17:48 UhrLesedauer: 3 Min.
Seine Pyramiden drehen sich in Dresden, Tokio und Texas, zwei seiner Werke stehen im Guinnessbuch der Rekorde. Nun bangen rund 30 Beschäftigte in Sachsen um ihre Arbeitsplätze.
Die Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz GmbH RuT aus Oederan hat Insolvenz angemeldet. Der Antrag ging am Freitagvormittag beim Amtsgericht Chemnitz ein, wie die „Sächsische Zeitung“ berichtet. Das Gericht bestimmte den Wirtschaftsjuristen Reinhard Klose von der Kanzlei Flöther & Wissing zum vorläufigen Verwalter über das Firmenvermögen.
Was zur Insolvenz geführt hat, ist bislang nicht bekannt. Der Betrieb aus dem Landkreis Mittelsachsen fertigt Weihnachtspyramiden, Nussknacker, Räuchermänner und Schwibbögen, vieles davon in Handarbeit. Der zuletzt veröffentlichte Abschluss für das Geschäftsjahr 2023/24 weist einen Überschuss von gut 132.000 Euro und eine Kapitalrücklage von 1,3 Millionen Euro aus; die Wirtschaftsdatenbank North Data schätzt den Umsatz auf 3,8 Millionen Euro. Die Geschäftsführer äußerten sich am Wochenende nicht auf Medienanfragen.
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Insolventer Betrieb hat zwei Einträge im Guinnessbuch der Rekorde
Bekannt wurde die insolvente Firma vor allem durch ein Bauwerk: 1997 errichtete sie die 14,60 Meter hohe Stufenpyramide für den Dresdner Striezelmarkt. Sie ist die höchste der Welt und brachte dem Unternehmen einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ein. Einen zweiten Rekord hält der 7,14 Meter hohe Nussknacker vor dem Werkstor in Gahlenz.
Auf den Dresdner Auftrag folgten viele weitere. Pyramiden aus Gahlenz stehen auf Weihnachtsmärkten in Berlin, Erfurt, Mainz, Annaberg-Buchholz, Leer, Wurzen und Bernau. Im Ausland drehen sie sich in Tokio sowie in Dallas, im texanischen Fredericksburg und in Cullman im US-Bundesstaat Alabama. Auf seiner Homepage bezeichnet sich das nun insolvente Unternehmen als weltweit führend bei Spezialanfertigungen von Pyramiden und Großfiguren.
Jahrelange Nachfolger-Suche vor der Insolvenz
Die Wurzeln des Betriebs reichen rund 100 Jahre zurück. Zu DDR-Zeiten firmierte er als VEB Raum- und Tafelschmuck Gahlenz – daher das Kürzel „RuT“ im Firmennamen. Nach der Wende kauften die früheren Mitarbeiter Jochen Schumann und Gundolf Berger das Unternehmen 1993 von der Treuhand. Beide führen es bis heute.
Um die Jahrtausendwende beschäftigte die nun insolvente Manufaktur noch 78 Menschen. Zuletzt suchten die beiden Geschäftsführer jahrelang vergeblich einen Nachfolger. „Wir gehen jetzt auf die 70 zu, da macht man sich Gedanken“, sagte Berger 2024 dem Portal „Tag24“. Junge Interessenten hätten sich den Betrieb angesehen und abgewunken, sobald sie den Arbeitsaufwand erkannt hätten.
Vor der Insolvenz bremsten Zölle bereits das US-Geschäft
Berger nannte damals auch wirtschaftliche Probleme. Energiekosten und Mindestlohn hätten die Preise um rund 50 Prozent steigen lassen, das mittlere Preissegment sei eingebrochen. „Nussknacker will kaum noch jemand“, erklärte er bereits vor der Insolvenz des Unternhemens. Der Katalog umfasst rund 80 Räuchermänner und Dekorationsfiguren sowie etwa 20 Nussknacker.












