Die Koalition arbeitet an ihrem Binnenverhältnis, seit es sie gibt. In letzter Zeit scheint das Vertrauen besonders gelitten zu haben. Ist es müßig, immer von Neuem zu beginnen?
Die Zeiten sind nicht normal. Wir stehen unter wahnsinnigem Druck, die externen Schocks häufen sich. Und in rasantem Tempo prasselt Neues auf uns ein, das nächste historische Ereignis. Vor knapp zwei Wochen wurde ein Politiker eines rechtsextremen Landesverbands der AfD zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt, vermutlich mit den Stimmen der CDU. Das hat uns als SPD schwer aufgewühlt. Wir haben im Koalitionsausschuss Klartext geredet, das ist der richtige Ort für solche Gespräche.
Reicht ein Gespräch im Kanzleramt, und die Sache ist aus der Welt?
Nein. Vertrauen wächst, wenn man gemeinsam eine Belastungsprobe durchsteht und Empathie für die andere Seite entwickelt. Mit Jens Spahn habe ich mehrere Koalitionskrisen erlebt, das hat uns zusammengeschweißt. Ich habe auch mit Thorsten Frei und Alexander Hoffmann eine absolute Vertrauensbasis, die sich jetzt weiter bewähren muss.
Müssen Sie dafür auf die nächste Koalitionskrise warten?
Ich hoffe nicht. Aber dass Vertrauen wächst, ist wichtig: Am kommenden Montag fliegen Thorsten Frei und ich nach Litauen. Wir wollen uns ein Bild von der Lage an der Nato-Ostflanke machen und dort auch die deutschen Soldaten der Litauen-Brigade besuchen. Journalisten nehmen wir nicht mit, weil wir keine Showveranstaltung machen.
Warum ist Vertrauen in einer Koalition so wichtig?
Man braucht ein Gefühl dafür, wie jemand in Verhandlungen agiert, wo wirklich eine Grenze erreicht ist. Irgendwann weiß man, wie weit der jeweils andere zu gehen bereit ist, welche Kompromisse möglich sind. Ich bin sicher, dieses Gespür entwickeln Thorsten Frei und ich.
Das klingt eher nach Abenteuerroman.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch
In der SPD hat niemand so sehr den Konflikt mit Friedrich Merz zugespitzt wie Manuela Schwesig, schon vor dem Bas-Rücktritt. Was treibt sie an?
Manuela Schwesig ist eben eine kämpferische Frau. Im Fall von Bärbel Bas hat sie das so artikuliert, wie sie das empfindet. Das war kein strategisches Kalkül.
Ist Politik nicht immer auch strategisch?
Das war einfach eine scharfe, aber nachvollziehbare Reaktion in einer für die SPD sehr emotionalen Situation.
Manch einer in der Union vermutet, Schwesig bereite heimlich die Sprengung der Merz-Regierung vor, um bei einer Neuwahl als Kanzlerkandidatin der SPD anzutreten und ein rot-rot-grünes Bündnis anzustreben.
