Oktober 17, 2026 1:28 a.m. CEST

Die Junge Union sieht die CDU in einer tiefen Krise. An Kanzler Friedrich Merz hat sie eine klare Erwartung – damit es nicht wieder eskaliert wie im vergangenen Jahr.

Man kann der Jungen Union nicht vorwerfen, ihre Erwartungen an den Kanzler nicht deutlich zu formulieren. Schön wären „Antworten auf Zukunftsfragen“, sagt Johannes Winkel, der Chef der Jugendorganisation von CDU und CSU. Die Antworten der letzten Zeit seien „nicht ausreichend“ gewesen und hätten „viele Parteimitglieder nicht zufriedengestellt“.

Die Partei? „Ist in einer schwierigen Situation“, sagt Winkel auf einer Pressekonferenz. Die Stimmung bei vielen? „Resignation.“ Es ist harte Kritik, einerseits. Beim Deutschlandtag der Jungen Union verbindet Winkel sie aber mit einem Angebot. Man wolle „inhaltlicher Motor sein“, sagt er. Ein „Zeichen des Aufbruchs“, das wünscht er sich, eben auch von Friedrich Merz. „Ich will, dass die Partei aus dieser Resignation rauskommt.“

Die Jungen zeigen sich bei ihrem Parteitag in Bonn selbstbewusst, trotzig fast. Wenn Friedrich Merz hier am Samstag auftritt, sollte er sich mal wieder auf etwas gefasst machen. Denn so, da sind sie sich hier einig, geht es für die Union nicht weiter.

„Das kann doch nicht euer Ernst sein!“

Friedrich Merz und die Junge Union, das ist eine wechselvolle Geschichte. Eine Geschichte von großer Euphorie und großer Enttäuschung. Es waren die Jungen, die Merz bei seinen drei Anläufen unterstützten, die er brauchte, um Parteivorsitzender zu werden. Und die ihn im Wahlkampf frenetisch unterstützten. Sie haben einen bedeutenden Anteil daran, dass Friedrich Merz nun Bundeskanzler ist.

Friedrich Merz und Johannes Winkel beim Deutschlandtag 2025: Die Sache eskalierte. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen/imago)

Spätestens beim Deutschlandtag im vergangenen Jahr aber ist etwas zerbrochen. Es war die Zeit des ersten großen Rentenstreits in der schwarz-roten Koalition. Deutschland lernte, was eine „Haltelinie“ ist.

Beim Deutschlandtag im Europa-Park Rust eskalierte die Sache. „Glaubt jemand ernsthaft“ rief Merz der JU zu, „dass wir einen Unterbietungswettkampf gewinnen, wer das niedrigste Rentenniveau anbietet? Das kann doch nicht euer Ernst sein!“ Kam nicht so gut an. Oder wie Johannes Winkel dieses Jahr sagt: „Die hat nicht allen Delegierten so richtig super gefallen.“

Noch immer Ärger mit der Rente

In diesem Jahr ist es wieder (oder besser: noch immer) die Rente, über die die Koalition streitet. Nachdem die Junge Union ihren Kampf um die Haltelinie verloren hat, will sie nun den Kampf um das Rentenpaket gewinnen, das mit Pascal Reddig einer von ihnen maßgeblich mitverhandelt hat. Ein Erfolg, den man hier für sich reklamiert. Winkel sagt: „Es hätte keine Rentenkommission gegeben, wenn der letzte Deutschlandtag nicht stattgefunden hätte, ganz einfach.“

Entsprechend groß ist die Bereitschaft, für das Rentenpaket in den Konflikt zu gehen, auch mit Merz. Die „Rente mit 63“? Muss weg, sagen sie hier, auch wenn die SPD das nicht will. Das müsse umgesetzt werden, sagt Winkel. Das sei ein „ganz wesentlicher Pfeiler“. Sie sei ungerecht und sowieso gebe es Ausnahmen für diejenigen, die nicht mehr können. Er verstehe die Rebellion der SPD deshalb nicht.

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