Aller Inflation zum Trotz
Hier kostet der Kaffee so viel wie vor 25 Jahren
Aktualisiert am 20.10.2026Lesedauer: 4 Min.
Der gleiche Preis wie vor 25 Jahren: Ein Traum für alle, die in Deutschland jeden Morgen ihr Geld im Coffeeshop lassen. In Italien hält dies ein älteres Ehepaar für seine Kunden durch.
Ein Espresso für 70 Cent? So geht das in Italien seit vielen Jahren schon. In der kleinen Kaffeebar im Piemont ist dieser Preis seit fast 25 Jahren unverändert. Und die Betreiber Rosina Furiati (73) und Orlando Paladino (77) stehen immer mitten in der Nacht auf, um ihre Gäste zu bedienen.
Um 3.30 Uhr klingelt in ihrer Wohnung in der Kleinstadt Cossato der Wecker. Anderthalb Stunden später öffnen sie eine Etage tiefer ihr „Fante di Cuori“ („Herzbube“), eine jener typisch italienischen Kaffeebarsz mit Familienfotos an den Wänden. Paldino bereitet den ersten Espresso zu. Er kostet 70 Cent – wie schon seit der Euro-Einführung.
Damals, zum Jahreswechsel 2001/2002, senkte das Ehepaar sogar den Preis: Zuvor kostete der Espresso 1.500 Lire, umgerechnet 77,5 Cent. Statt auf 80 Cent aufzurunden, gingen die beiden auf 70 Cent herunter. Dabei ist es geblieben. Aller Inflation zum Trotz.

Preise wie in Deutschland? „Völlig verrückt“
Für deutsche Kaffeetrinker wäre solch ein Preis ein Traum. In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München muss im Schnitt für einen Espresso um die 2,60 Euro gezahlt werden, in manchen Coffeeshops sogar mehr. Und dann stehen seit einiger Zeit auch noch diese Bezahlautomaten auf dem Tresen, bei denen man bei der Bestellung 10, 20 oder 30 Prozent Trinkgeld geben soll. Die Chefin hier hält das für „völlig verrückt“.
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Nun muss man dazu sagen, dass die Kaffeepreise in Italien grundsätzlich niedriger sind als in Deutschland. Das liegt ein wenig daran, dass in Italien der Staat keine Kaffeesteuer verlangt (Mehrwertsteuer aber sehr wohl), vor allem aber daran, dass die Tasse Kaffee immer noch so etwas wie ein nationales Kulturgut ist. Mehr als sieben Milliarden Euro geben die Italiener im Jahr für Espresso oder Cappuccino aus.
„Schallmauer“ von einem Euro längst durchbrochen
Die kleine Tasse Espresso – die „tazzina di caffè“ – trinkt man hier von früh bis spät, meist im Stehen. Zum Ritual gehört, vorab zu bezahlen, auf einen freien Platz an der Bar zu warten und dann den Beleg hinüberzureichen. Dann plaudert man ein wenig, aber länger als ein paar Minuten bleibt man nicht. Wer sitzen will, zahlt extra. Auf diese Weise können deutlich mehr Bestellungen abgewickelt werden.













