Juli 14, 2026 8:04 a.m. CEST

Zwei Stunden von Dresden

Hier sieht es fast aus wie in der Sahara

13.07.2026 – 19:30 UhrLesedauer: 2 Min.

Blick auf die Lieberoser Heide in der Lausitz: Dieser Bereich mutet wie eine kleine Wüste an. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Fünf Quadratkilometer Sand, kein Schatten, bis zu 60 Grad Bodentemperatur – mitten in Brandenburg. Entstanden ist die Lieberoser Wüste durch eine Katastrophe.

Die Lieberoser Wüste in der Niederlausitz bietet auf rund fünf Quadratkilometern einen Anblick, den es in Deutschland kein zweites Mal gibt. Die offene Sandlandschaft vermittelt Wüstenfeeling mitten in Brandenburg. Rund um die Lieberoser Wüste liegt eines der wildesten Schutz- und Wildnisgebiete Brandenburgs – mit Wölfen, Seeadlern, Fischottern und Bibern.

Die Lieberoser Wüste selbst lässt sich hingegen nicht frei betreten: Das ehemalige Truppenübungsplatzgelände ist munitionsbelastet, deshalb gilt in der Lieberoser Heide ein striktes Wegegebot.

Die Luftaufnahme einer Drohne zeigt das karge, wüstenähnliche Gebiet in der Lieberoser Heide in Brandenburg. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Erleben lässt sich die Landschaft trotzdem – etwa im Sukzessionspark Lieberose an der B168 zwischen Lieberose und Turnow/Peitz. Dort gibt es einen kostenfreien Parkplatz, einen Lehrkreis zur natürlichen Wiederbewaldung und den früheren Generalshügel als Aussichtspunkt. Außerdem bieten die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg und weitere Akteure geführte Exkursionen durch Teile des Gebiets an.

Geboren aus Feuer und Panzerketten

Mit dem Klima hat die deutsche Wüste nichts zu tun. Ein Großbrand im Jahre 1942 machte aus dem Gebiet diese karge Landschaft. Die Waffen-SS begann nach dem Brand mit dem Ausbau des Groß-Truppenübungsplatzes „Kurmark“ und richtete dafür das KZ-Außenlager Lieberose/Jamlitz ein, ein Nebenlager des KZ Sachsenhausen. Häftlinge mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen militärische Anlagen errichten.

Nach dem Krieg übernahm die Rote Armee das Gelände und baute es zum größten sowjetischen Truppenübungsplatz in Ostdeutschland aus. Panzer und schweres Gerät hielten die Sandfläche über Jahrzehnte offen – daher der Begriff „Panzerwüste“. 1970 verfolgten unter anderem Erich Honecker, Walter Ulbricht und Leonid Breschnew hier das Warschauer-Pakt-Manöver „Waffenbrüderschaft“.

Seit 1992 wird der ehemalige Truppenübungsplatz Lieberose nicht mehr militärisch genutzt. Flechten und Silbergras erobern den Sand, aus der Panzerwüste wird langsam eine Steppe. Wer sie sehen will, sollte also nicht zu lange warten.

Von Dresden führt die A13 Richtung Cottbus, weiter geht es über die B168 Richtung Lieberose – insgesamt knapp zwei Stunden Fahrt. Der Parkplatz am Sukzessionspark liegt direkt an der Bundesstraße.

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