Hirngesundheit
Lässt häufiges Fernsehen Hirnregionen schrumpfen?
27.07.2026 – 12:47 UhrLesedauer: 3 Min.
Wer in der Lebensmitte viel fernsieht, dessen Hirnstruktur weist Jahrzehnte später öfter Veränderungen auf. Darauf deuten Daten einer Langzeitstudie hin.
Ob langes Sitzen dem Gehirn schadet, wird seit Jahren diskutiert. Eine neue Studie legt nun nahe, dass dabei womöglich entscheidend ist, womit Menschen ihre Sitzzeit verbringen. Vor allem häufiges Fernsehen in der Lebensmitte war dabei mit ungünstigen Veränderungen der Gehirnstruktur im höheren Alter verbunden. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Alzheimer’s & Dementia“.
MRT zeigt Auffälligkeiten in Hirnregionen
Grundlage der Studie waren Daten von 1.712 Erwachsenen aus der US-amerikanischen ARIC-Langzeitstudie. Zu Beginn waren die Teilnehmer im Schnitt 53 Jahre alt. Zwischen den Jahren 1987 und 1989 gaben sie an, wie häufig sie in ihrer Freizeit fernsahen und wie viel sie bei der Arbeit saßen. Mehr als 20 Jahre später wurde ihre Gehirnstruktur mittels MRT untersucht.
- Studie: Kleine Gehpausen mildern Folgen langen Sitzens
- Zu viel: Deutsche sitzen täglich über 10 Stunden
Dabei stellte sich heraus, dass bei Menschen, die nach eigenen Angaben sehr häufig fernsahen, Hirnbereiche kleiner waren, die mit frühen Veränderungen bei Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Auch Stirn- und Hinterhauptlappen waren kleiner. Der Stirnlappen spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei Planung und Entscheidungen und unterstützt das Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis, der Hinterhauptlappen verarbeitet visuelle Reize.
Außerdem fanden die Forscher häufiger Veränderungen der weißen Hirnsubstanz, die auf Schädigungen kleiner Hirngefäße hindeuten und mit Alterungsprozessen, kognitivem Abbau, Demenz und einem erhöhten Schlaganfallrisiko in Verbindung stehen.
Die beobachteten Zusammenhänge blieben auch bestehen, nachdem Faktoren wie körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum, Diabetes oder der Body-Mass-Index berücksichtigt worden waren.
Embed
- Herzgesundheit: Stehen schadet ebenso wie langes Sitzen
Sitzen ist nicht gleich Sitzen
Besonders auffällig war, dass Menschen, die viel bei der Arbeit saßen, in der Studie nicht die gleichen ungünstigen Hirnveränderungen aufwiesen. Teilweise hatten sie sogar größere Volumina in bestimmten Hirnregionen und weniger Veränderungen der weißen Substanz.
Die Forscher vermuten, dass geistig anspruchsvolle Tätigkeiten am Arbeitsplatz dabei eine Rolle spielen könnten. Wer liest, plant, entscheidet, rechnet oder Probleme löst, fordert das Gehirn stärker als beim passiven Fernsehen. Die Studie legt daher nahe, dass für die Gehirngesundheit nicht nur die Sitzdauer zählt, sondern auch der geistige Anspruch der Tätigkeit.
Männer stärker betroffen
Bei einer getrennten Auswertung nach Geschlecht zeigten sich die meisten Zusammenhänge vor allem bei Männern. Warum das so ist, lässt sich aus der Studie nicht ableiten und muss weiter untersucht werden.














