Studie überrascht
Besteht das Gehirn aus zwei Organen?
23.09.2026 – 12:41 UhrLesedauer: 2 Min.
Forscher haben entdeckt, dass das Gehirn aus zwei uralten Nervensystemen besteht. Das eröffnet Chancen für die Behandlung schwerer Krankheiten.
Das Gehirn gilt als ein zusammenhängendes Organ, dessen verschiedene Bereiche während der Embryonalentwicklung aus einer gemeinsamen Vorläuferzelle hervorgehen. Doch eine neue Studie der Stanford University stellt dieses Bild infrage: Demnach haben sich Vorder- und Hinterhirn schon sehr früh auf unterschiedlichen Entwicklungswegen gebildet. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“.
Zwei Nervensysteme wurden zu einem
Die Wissenschaftler untersuchten die frühesten Phasen der Embryonalentwicklung. Dabei stießen sie bei Mäuseembryonen auf zwei verschiedene Vorläuferzellen anstatt auf eine gemeinsame: Eine bildet später Vorder- und Mittelhirn, die andere das Hinterhirn. Die beiden Zelllinien überschneiden sich dabei nicht.
Auch bei anderen Tierarten fanden die Forscher Hinweise auf dieses Prinzip. Ihre Analysen reichen mehr als 500 Millionen Jahre zurück. Sie vermuten, dass vergleichbare Nervensysteme bei den Vorfahren des Menschen im Laufe der Evolution räumlich zusammenrückten und schließlich zu einer funktionellen Einheit wurden.
Das Vorderhirn ist unter anderem an Sprache, Bewusstsein und abstraktem Denken beteiligt. Das Hinterhirn übernimmt dagegen lebenswichtige automatische Funktionen wie Atmung und Herzschlag. Außerdem steuern Nervenzellen dort die Muskeln für Gesicht, Zunge und Rachen.
Warum die Entdeckung wichtig sein könnte
Die unterschiedlichen Ursprünge erklären vermutlich auch, warum Forscher bestimmte Nervenzellen des Hinterhirns im Labor bislang nur schwer herstellen konnten. Offenbar versuchten sie teilweise, Vorläuferzellen des Vorder- und Mittelhirns in einen Zelltyp umzuwandeln, aus dem sie gar nicht entstehen können.
Mit dem neuen Wissen gelang es dem Team nun erstmals, aus menschlichen Stammzellen funktionsfähige motorische Nervenzellen des Hinterhirns zu züchten. Diese zeigten typische elektrische Aktivität und weitere Merkmale echter Hinterhirnzellen.
Das könnte zukünftig die Erforschung schwerer Erkrankungen wie der spinalen Muskelatrophie (SMA) und der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) erleichtern. Bei beiden Krankheiten sind unter anderem Nervenzellen betroffen, die für Schlucken und Atmung wichtig sind. „Unsere Entdeckung bedeutet, dass wir nun Neuronen aus dem Hinterhirn in einer Petrischale züchten und ihre Funktionen untersuchen können“, erklärt Studienleiter Kyle Loh.
Langfristig hoffen die Forscher, auf diese Weise besser zu verstehen, was bei Erkrankungen des Hinterhirns schiefläuft – und neue Therapieansätze zu entwickeln.













