Ja, den Kursgewinnen oder -verlusten und dem Zinskupon. Der Zinskupon ist umso höher, je länger die Laufzeit, je höher das Zinsniveau des Marktes und je schlechter die Bonität des Emittenten sind. Darum kann Deutschland seine Anleihen deutlich geringer verzinst auf dem Markt verkaufen als Venezuela. Und für den Kurs gilt: „Bei Anleihen besteht ein umgekehrtes Verhältnis zwischen Rendite und Kurs: Steigt der Kurs der Anleihe, sinkt die Rendite. Fällt der Kurs, steigt die Rendite“, so Vivien Rottka.
Bei einem niedrigeren Kaufkurs als 100 Prozent, zahlt man weniger, als man später ausbezahlt bekommt, dementsprechend steigert das die Rendite. Liegt der Kurswert bei 90 Prozent, beträgt die zusätzliche Rendite also 10 Prozent, da man zum Auszahlungszeitpunkt 100 Prozent, den Nennwert, zurückbekommt. Grundsätzlich kann man sagen: Der Zinskupon spiegelt die Marktsituation bei Ausgabe der Anleihe wider, der Kurswert die wirtschaftlichen Veränderungen. Die Rendite bleibt bei unverändertem Risiko also gleich. Wer mehr Rendite will, muss mehr riskieren.
Das geht, genau wie bei anderen Wertpapieren auch, mit einem Depotkonto über die Börse. In dieses lassen sich die Anleihen einbuchen – ganz gleich ob online oder über die depotführende Bank. Wichtig: Anleihen kann man einzeln kaufen oder auch gebündelt als Fonds oder ETF (börsengehandelte Indexfonds).
Ein Fondskauf hat den Vorteil, dass gleichzeitig in viele verschiedene Anleihen investiert wird. Man ist breiter aufgestellt, streut das Risiko eines Zahlungsausfalls des Emittenten. Vor allem bei risikoreicheren Bonds ist das von Vorteil.
Doch es gibt noch mehr Gründe. „Viele Anleihen werden nicht so regelmäßig an der Börse gehandelt, man kann sie also nicht jederzeit verkaufen“, sagt Karin Baur von der Stiftung Warentest. „Und es gibt viele Anleihen nur in hohen Stückelungen, die auch mal 10.000 oder sogar 100.000 Euro betragen können.“ Nicht das Richtige für Privatanleger. Darum empfehlen die Experten der Stiftung Warentest: Fonds.
„Fonds haben das Geld, um auch solche Stückelungen bezahlen zu können und sie haben noch andere Möglichkeiten, Anleihen zu handeln“, sagt Baur. Noch dazu könne man seine Fondsanteile jederzeit kaufen und verkaufen. Das schafft neben der Risikostreuung also auch noch Flexibilität.
Eine Anleihe ist immer so gut wie der Emittent, der dahintersteht. Ist er in Zahlungsschwierigkeiten, kann das Geld verloren gehen. Die Bonität der Emittenten wird durch Ratingagenturen beurteilt. Sie vergeben Bestnoten von AAA (Triple A) bis D für Default, Zahlungsausfall. Deutschland hat die Bestnote AAA, ist also ein zuverlässiger Schuldner höchster Bonität. Da bräuchte es nicht mal Streuung.
Bei anderen Anleihen gibt es einen Trick: „Vergleichen Sie die Zinsen mit denen der Bundesanleihe mit der gleichen Laufzeit“, sagt Karin Baur, „wenn die andere Anleihe einen dreimal so hohen Zins hat, dann ist da auch ein deutlich höheres Risiko.“
