In Schleswig-Holstein
Muslime können zwei freie Tage extra bekommen
27.09.2025 – 13:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Zwei zusätzliche freie Tage – nur für Muslime. In Schleswig-Holstein ist das jetzt möglich. Doch nicht überall kommt das Vorhaben gut an.
In Schleswig-Holstein können Menschen muslimischen Glaubens ab sofort an zwei islamischen Feiertagen von der Arbeit freigestellt werden. Das gilt jeweils für den ersten Tag des Ramadan- und des Opferfestes, wie das Kulturministerium am Mittwoch mitteilte. Das Land und der Landesverband der Islamischen Kulturzentren Norddeutschland schlossen einen entsprechenden Vertrag.
Konkret sieht die Vereinbarung vor, dass Arbeitgebern ermöglicht werden soll, ihren muslimischen Beschäftigten frei zu geben. Das gilt für Angestellte wie Beamte. „Mit der Unterzeichnung betonen beide Seiten die Wichtigkeit eines respektvollen und friedlichen Miteinanders in Schleswig-Holstein“, heißt es in einer Mitteilung des Kulturministeriums.
Perspektivisch, so die Verantwortlichen, ebne der Vertrag auch den Weg für die Einführung des Faches der Islamischen Religion als ordentliches Unterrichtsfach an Schulen. „Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen – etwa hinsichtlich der Schülerzahlen und der Qualifikation von Lehrkräften – erfüllt werden“, heißt es.
Ministerin Dorit Stenke (CDU) betonte bei der Unterzeichnung: „Dieser Vertrag ist ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und Gleichbehandlung der Religionsgemeinschaften. Menschen muslimischen Glaubens sind Teil unserer Gesellschaft. Das besiegeln wir mit diesem Vertrag.“
Allerdings gibt es an dem Vorhaben auch Kritik: Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, sieht die Entwicklung kritisch. Im Gespräch mit Welt TV bezeichnete sie den Verband der Islamischen Kulturzentren als sehr konservativ. „Das ist die grundsätzliche Schieflage in der deutschen Islamdebatte: dass dort eigentlich nur Akteure zu Wort kommen, die einem ganz bestimmten erzkonservativen Spektrum des Islam angehören. Aber die vielen Muslime, die eher liberal oder moderat sind, die hören wir eigentlich gar nicht“, so Schröter.
„Muslime haben auch an christlichen Feiertagen frei. Also wenn wir beginnen, Minderheiten neue Rechte zuzugestehen, geraten wir in eine Schieflage – zulasten all jener, die keine extra Feiertage haben“, erklärte Schröter.
