ZDF-Sommerinterview
Merz fährt aus der Haut: „Bin es einfach leid“
19.07.2026 – 23:14 UhrLesedauer: 4 Min.
Bundeskanzler Merz hat sich im Sommerinterview des ZDF kritischen Fragen gestellt. Über einen Konfrontationsversuch der Moderatorin kann er erstmal nur lachen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich beim ZDF-Sommerinterview im Sauerland in freier Natur den Fragen von Diana Zimmermann gestellt. Die nutzte die Gelegenheit, um mit dem CDU-Chef über Jens Spahn zu sprechen, der nach hitzigen Debatten um seine Vaterschaft durch eine Leihmutter in den USA als Unionsfraktionschef zurückgetreten war. Hintergrund: Leimutterschaft ist in Deutschland verboten und wird von der CDU traditionell abgelehnt. Auch Spahn hatte sich in der Vergangenheit deutlich dagegen ausgesprochen.
„Fühlen Sie sich ein bisschen hintergangen?“, wollte Zimmermann von Merz wissen. Das wolle er öffentlich nicht bewerten, entgegnete der und ergänzte: „Der Vorgang als solcher“ sei mit Spahns Rücktritt abgeschlossen. An anderer Stelle ließ er dann aber doch Kritik durchblicken. Der Ex-Fraktionschef habe Partei und Fraktion erst „sehr, sehr spät“ über die privaten Neuigkeiten informiert. Es habe deswegen auch kaum Gelegenheit gegeben, mit Spahn darüber zu sprechen.
Was ihm durch den Kopf gegangen sei, nachdem Spahn ihm vor zehn Tagen von der Geburt seines Kindes berichtet habe, wollte Zimmermann wissen. „Zunächst einmal das Wohl des Kindes“, erklärte Merz. Anschließend habe er gehofft, dass Spahn die Situation gut kommuniziere. Mit einer öffentlichen Empörungswelle „in diesem Umfang“ habe er nicht gerechnet, gab Merz zu. Wahrscheinlich habe das etwas mit „seiner Person“ und mit der Kommunikation zu tun, so der Bundeskanzler über Spahn.

Merz stellt sich kritischen Fragen
Mit Blick auf die Lücke in seiner Partei, die nach Spahns Rücktritt übergangsweise von CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann gefüllt wird, bemerkte Zimmermann, dass die Situation doch die Gelegenheit für einen größeren Personalumbau im Kabinett sein könnte. „Es könnte eine Gelegenheit sein“, wiederholte Merz insgesamt viermal und betonte jedes Mal, dass es in diesem Satz auf den Konjunktiv ankomme.
Mit Blick auf politische Glaubwürdigkeit ging es am Sonntagabend nicht nur um Spahn. Zimmermann konfrontierte Merz auch mit der Tatsache, dass er in Umfragen „sehr schlecht“ dastehe und wollte wissen: Haben Sie im Wahlkampf zu viel versprochen? Er sei im Wahlkampf noch von anderen Voraussetzungen ausgegangen erklärte Merz und verwies unter anderem darauf, dass der Krieg in der Ukraine nun schon das fünfte Jahr andauere.
Zimmermann ließ das nicht gelten: Der Krieg habe schon drei Jahre getobt als Merz ins Amt gekommen sei, entgegnete sie. Zur Auseinandersetzung zwischen dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump im Oval Office sei es erst im Februar 2025 gekommen, schoss Merz zurück. Das habe nicht nur bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen.














