Studie zu Umgewöhnung
Kann man Freigänger zu Wohnungskatzen machen?
22.08.2026 – 08:16 UhrLesedauer: 2 Min.
Viele Katzenhalter glauben, ein Freigänger lasse sich nicht zur Wohnungskatze machen. Forscher haben diese Annahme jetzt wissenschaftlich überprüft.
Es gibt viele gute Gründe, warum man Katzen lieber im Haus oder der Wohnung halten sollte, statt sie herauszulassen. Der beste ist wohl, dass Wohnungskatzen deutlich länger leben als ihre Artgenossen, die nach draußen dürfen. Freigänger sterben zum Teil bis zu zehn Jahre eher, sind anfälliger für Krankheiten und Unfälle.
Doch kann man einen Freigänger zu einer Wohnungskatze umerziehen? Viele Halter gehen davon aus, dass diese Umstellung nicht klappen kann. Aber stimmt das? Ein Forschungsteam der University of Adelaide in Australien hat genau das untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Applied Animal Behaviour Science“.
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Dazu wurden 87 Katzenbesitzer aus Neuseeland befragt, die diesen Schritt bereits vollzogen hatten. Der häufigste Grund für die Entscheidung, die Katze drinnen zu halten, war die Sicherheit des Tieres – 77 Prozent der Befragten nannten diesen Punkt. Weitere häufige Motive waren der Schutz heimischer Wildtiere sowie ein Umzug in eine neue Wohnung oder ein neues Haus.
Neuseeland und das „Katzenproblem“
Neuseeland plant, verwilderte Katzen bis 2050 auszurotten, da sie die Artenvielfalt der Insel massiv gefährden. Private Katzen sollen davon zwar nicht betroffen sein, es gibt allerdings immer wieder Kampagnen, die Besitzer dazu aufrufen, ihre Katzen ausschließlich im Haus zu halten.
Viele Katzen passen sich schnell an
Mehr als 40 Prozent der Halter berichteten in der Befragung, dass ihre Katze sich innerhalb weniger Tage und teilweise sogar sofort an das Leben drinnen gewöhnt habe. Ein Viertel gab an, die Anpassung habe einige Wochen gedauert. Bei 12,6 Prozent der Tiere war die Gewöhnung zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht abgeschlossen. Jüngere Katzen – also solche, die vor dem zweiten Lebensjahr nach drinnen geholt wurden – passten sich dabei deutlich schneller an als ältere Tiere.
Auffällig: Nur 13,8 Prozent der Halter hatten sich gezielt auf den Übergang vorbereitet. Fast die Hälfte traf keinerlei Vorbereitungen, gut ein Drittel musste den Wechsel ungeplant vollziehen, etwa wegen einer Erkrankung der Katze.
Mehr Nähe, weniger Sorgen
Als Vorteile nannten die Befragten vor allem das beruhigende Wissen, wo ihre Katze sich aufhält, sowie weniger Verletzungen und Kämpfe mit anderen Tieren. Viele beobachteten außerdem, dass ihre Katze zutraulicher wurde und die Bindung zwischen Mensch und Tier zunahm.
Verhaltensveränderungen wurden ebenfalls dokumentiert: Am häufigsten berichteten Halter von gesteigertem Suchen nach Aufmerksamkeit, mehr Lautäußerungen und erhöhtem Schlafbedarf. Das Spielverhalten nahm bei einem Teil der Tiere zu – ein Zeichen, das Forscher grundsätzlich als positives Signal werten.
Katzenhalter haben auch schlechtes Gewissen
Trotz der insgesamt positiven Bilanz schilderten die Befragten auch konkrete Schwierigkeiten. Am häufigsten genannt wurden das ständige Achten auf geschlossene Türen und Fenster sowie die aufwendigere Pflege des Katzenklos. Viele Halter berichteten zudem von einem schlechten Gewissen, ihre Katze einzusperren, und von der Sorge, den Bedürfnissen des Tieres nicht gerecht zu werden.
