August 22, 2026 11:19 a.m. CEST

In den Alpen

Zum ersten Mal kein Sommerskilaufen möglich


22.08.2026 – 09:10 UhrLesedauer: 2 Min.

Ramsau am Dachstein in Österreich im Juli 2016: Skifahrer genießen auf 2.700 Metern Höhe mitten im Sommer den Schnee. Zehn Jahre später ist das nicht mehr möglich. (Quelle: alizadastudios via imago-images.)

Auf den Gletschern der Alpen ist der Sommerskibetrieb zum Erliegen gekommen. Ein Glaziologe sieht darin ein deutliches Zeichen für die dramatischen Veränderungen im Hochgebirge – und eine Warnung für den Wintersport.

In diesem Sommer ist erstmals nirgendwo in den Alpen Sommerskilauf möglich. Der Zustand der Gletscher und die außergewöhnlich hohen Temperaturen machen einen sicheren Skibetrieb unmöglich.

Der Glaziologe Giovanni Baccolo sagte dem italienischen Nachrichtenportal „Il Dolomiti“: „Das Klima hat sich verändert und damit auch der Zustand der Gletscher. Dadurch wird Sommerskifahren zu einer immer anachronistischeren Aktivität, die mit den neuen Bedingungen im Hochgebirge kaum noch vereinbar ist. Die Schließung sämtlicher Anlagen führt uns deutlich vor Augen, wie sehr die Gletscher leiden.“

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Anfang August mussten bereits die Liftbetreiber am Plateau Rosa am Fuße des Matterhorns den Skibetrieb einstellen. Für Aufsehen sorgten dort Bilder, die die italienische Olympiasiegerin Federica Brignone veröffentlichte und mit der Filmmusik aus „Titanic“ unterlegte. Mitte August traf es schließlich auch die Pisten am Stilfser Joch auf dem Livrio-Gletscher. Damit fiel eines der traditionsreichsten Sommerskigebiete der Alpen vorerst aus. „Inzwischen haben praktisch alle aufgegeben“, sagt Baccolo.

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Regen statt Schnee auf den Gletschern

Für den Gletscherexperten ist die Entwicklung eindeutig. „Dieser Sommer folgte auf eine ohnehin schon schwache Schneephase, und bereits ab Mai sind die Temperaturen stark gestiegen“, sagt der Glaziologe. Das habe zu einer starken Schmelze geführt. Statt einer Schneedecke komme blankes Gletschereis zum Vorschein. Die erforderlichen Sicherheits- und Qualitätsstandards seien kaum noch einzuhalten. Die Lifte können zwar weiterhin Wanderer ins Hochgebirge bringen, Skifahren ist jedoch nicht mehr möglich.

Auch in den vergangenen Jahren war der Sommerskibetrieb wegen hoher Temperaturen zeitweise unterbrochen worden. Nach einer Wetteränderung konnten die Pisten jedoch teilweise wieder geöffnet werden. Neu ist in diesem Sommer, dass sämtliche alpinen Sommerskigebiete gleichzeitig vor den schwierigen Bedingungen kapituliert haben.

Zwar könne es in den kommenden Jahren durchaus wieder günstigere – oder zumindest weniger ungünstige – Sommer geben, sagt Baccolo. Am langfristigen Trend ändere das jedoch nichts. Der Experte veranschaulicht die Entwicklung in dieser Grafik.

Glaziologe warnt vor Folgen für Wintersport

Die Entwicklung betrifft bislang vor allem den Sommerskilauf. Doch Baccolo sieht darin auch „ein Warnsignal für die Wintersaison“. Skigebiete können im Winter zwar auf technische Beschneiung zurückgreifen, doch auch in der kalten Jahreszeit verändern sich die Bedingungen. Die Schneegrenze verschiebe sich immer weiter nach oben, gleichzeitig nehme die Dauer der natürlichen Schneedecke ab.

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