September 8, 2026 9:56 a.m. CEST

Wahl in Sachsen-Anhalt

So könnte die Macht die AfD verändern

Aktualisiert am 08.09.2026 – 08:58 UhrLesedauer: 3 Min.

Spitzenkandidat Siegmund schickt sich an, erster AfD-Ministerpräsident zu werden. (Archivbild) (Quelle: Heiko Rebsch/dpa/dpa-bilder)

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt sieht ein Forscher die Tendenz der AfD zur Radikalisierung an ihren Grenzen. Eine Studie der Adenauer-Stiftung widerspricht.

Eine bundesweite Radikalisierung der AfD ist nach dem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt aus Sicht des Politikforschers Jan Philipp Thomeczek fraglich. „Die AfD hat sich jetzt mit einem sehr radikalisierten Kurs in eine Situation gebracht, dass sie Erwartungen bedienen muss als stärkste Kraft“, sagte Thomeczek der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn sie das nicht erfüllen kann, droht der Kurs der Radikalisierung eher zu scheitern.“

Die AfD hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag klar gewonnen und kam auf 43,8 Prozent, verpasste aber die absolute Mehrheit. Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund strebt dennoch eine stabile Mehrheit an, dafür will er Gespräche mit den anderen Fraktionen und einzelnen Abgeordneten führen. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht unterbreitete der AfD ein Angebot zur Zusammenarbeit. Die Partei, die vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, will Teile des Staates umbauen, nicht nur in der Migrations-, Schul- und Kulturpolitik.

In Europa ist die AfD selbst anderen Rechtsaußenparteien zu radikal. So gehen Marine Le Pen aus Frankreich und Geert Wilders aus den Niederlanden im Europaparlament auf Distanz zur AfD.

Im Video | Ulrich Siegmund küsst Ehefrau auf der Bühne

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Quelle: reuters
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Thomeczek lehrt an der Universität Potsdam. Der Politikwissenschaftler rechnet für künftige Wahlen nicht damit, dass die AfD noch höhere Ergebnisse erzielt als bei der Wahl in Sachsen-Anhalt. „Man kann davon ausgehen, dass die Partei mit 44-45 Prozent langsam ausmobilisiert ist – wir haben ja ein Mehrparteiensystem mit vielen relevanten Parteien“, sagte der Wissenschaftler der Universität Potsdam. „Eine Gefahr der weiteren Radikalisierung droht vor allem, wenn die AfD eine absolute Mehrheit hat und ihre Positionen direkt umsetzen kann – das ist ja nicht passiert.“

Zweifel an Wagenknecht

Für eine Regierungsverantwortung „müsste die AfD auf andere Parteien zugehen, zumindest ja auf das BSW“, sagte Thomeczek. „Wenn die AfD das nicht schafft und es Neuwahlen gäbe, würde ich auch nicht automatisch davon ausgehen, dass sie mehr Stimmen gewinnen würde“, sagte er. „Das hängt dann stark davon ab, welche Erzählung des Scheiterns sich durchsetzt, wer dafür schuldig gemacht wird. Wir haben riesige Zugewinne der AfD gesehen, aber das heißt natürlich auch, dass diese Menschen sich auch schnell wieder abwenden können.“

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