Die hitzige Tuchel-Debatte überlagert selbst das wegweisende Spiel des FC Bayern in Leverkusen. Sowohl die Kritik an ihm als auch seine Reaktion polarisieren.
Aus München berichtet Julian Buhl vom FC Bayern
Thomas Tuchel erlebt als Cheftrainer des FC Bayern momentan ein merkwürdiges Déjà-vu. Denn die Umstände, die das am Samstag (18.30 Uhr) in Leverkusen anstehende Spiel begleiten, ähneln denen des Anfang November in Dortmund ausgetragenen Duells (4:0) frappierend. Genau wie damals hat sich im Vorfeld dieser für den Meisterkampf so richtungsweisenden Partie beim Tabellenführer ein Topspieler nach dem nächsten verletzungsbedingt bei ihm abgemeldet.
Tuchel, der zwar zumindest im Fall von Dayot Upamecano, Joshua Kimmich und Manuel Neuer noch auf deren Rückkehr hoffen darf, wird deshalb wie schon so oft in dieser Saison mal wieder zum Improvisieren gezwungen sein.
Wie schon vor dem viel beachteten Kräftemessen mit dem BVB sind das allerdings erneut nur Randnotizen, die von noch größeren Diskussionen in den Hintergrund gedrängt werden. In deren Zentrum steht – damals wie heute – Tuchel selbst.
Tuchels Experten-Zoff eskaliert erneut
Hamann hatte Tuchel und den FC Bayern als das größte Missverständnis seit Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann bezeichnet und Tuchel unterstellt, sich mit einer allgemein formulierten Äußerung bei einem Fanclubtreffen aktiv beim FC Barcelona beworben zu haben. Es folgte eine öffentliche Entschuldigung von Hamann, die Tuchel nach dem 3:1-Sieg am Samstag gegen Gladbach allerdings nicht annehmen wollte.
„Ich nehme ihm das nicht ab. Die Dinge, die passiert sind, waren völlig aus dem Zusammenhang gerissen und wurden bewusst gesagt. Es wurden bewusst Aussagen getroffen, die nicht wahr sind“, sagte Tuchel. Seitdem meldeten sich einige weitere Experten zu Wort, die darüber diskutieren, ob Tuchels Reaktion angemessen war oder nicht. Felix Magath bezeichnete seinen Nachfolger als Bayern-Coach im Sport1-Doppelpass als „viel zu empfindlich, viel zu unsouverän für diese Position, die er hat“.
Hat Tuchel nicht das Recht, sich zu verteidigen?
Ex-Nationalspieler Thomas Strunz behauptete bei Welt TV: „Diese ganzen Diskussionen mit den Experten, wie Hamann oder auch Lothar Matthäus, zeugen von Dünnhäutigkeit. Das ist nicht wirklich souverän.“ Also hat ein Cheftrainer etwa nicht das Recht, sich auch mal mit aller Vehemenz und Emotionalität zu verteidigen, wenn er Äußerungen über ihn und seine Arbeit als unzutreffend und unsachlich empfindet?
Stefan Effenberg kann die scharfe Kritik von Hamann jedenfalls „überhaupt nicht verstehen“. „Das Beste an der ganzen Geschichte war, dass er sich am Ende dafür entschuldigt hat. Und eingesehen hat, dass das nicht richtig und ein Fehler war“, schreibt Effenberg in seiner t-online-Kolumne (die komplette Kolumne lesen Sie hier): „Wenn Kritik Hand und Fuß hat, habe ich kein Problem damit. Sie sollte aber niemals ins Persönliche gehen.“
Der FC Bayern, der sich mit einem Statement von Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen und Sportdirektor Christoph Freund vehement gegen Hamanns Kritik an Tuchel gewehrt hatte, ist hinter den Kulissen nun um eine Beruhigung der Debatte bemüht. Der Fokus soll wieder voll auf das Sportliche und das so wichtige Spiel in Leverkusen gerichtet werden. Deshalb wurden in dieser Woche auch sämtliche Medienaktivitäten abgesagt, zu denen der Rekordmeister nicht vertraglich verpflichtet ist.
Auch Hoeneß stößt die Tuchel-Kritik auf
Klubintern ist die Stimmung gegenüber Tuchel nach t-online-Informationen ohnehin bei Weitem nicht so negativ, wie es zuletzt in Medienberichten teilweise dargestellt wurde. Vor allem Ehrenpräsident Uli Hoeneß sind die übel aufgestoßen, weil teilweise dafür aus dem Zusammenhang gerissene Zitate von ihm dafür benutzt wurden und einen vermeintlichen Bruch nahelegten.













